Geld für alle und zwar umsonst ?

Film- und Diskussionsabend zum Grundeinkommen und Stipendienmodell der Cusanus Studierendengemeinschaft e.V.

am 11.10.2018 um 19.00 Uhr

Das Bedingungslose Grundeinkommen – vor wenigen Jahren noch kaum denkbar – ist heute in aller Munde. Die Frage „Was würdest Du tun, wenn für deinen Lebensunterhalt gesorgt würde?“ klingt wie eine real gewordene Utopie. Geld für alle und zwar ohne Gegenleistung? Das ist in einer Arbeitsgesellschaft wie der unseren kaum denkbar.
Auch das Stipendienmodell der Studierendengemeinschaft setzt auf Bedingungslosigkeit – zumindest auf der Ebene der Bildung. Junge Cusanus Studierende sollen frei von Geldsorgen studieren können. Doch bedingungslos heißt nicht beliebig: Welchen Sozialraum, welche Beziehungsformen zwischen Schenker*innen und Beschenkten braucht es, damit sich utopisches Potenzial entfalten kann? Was wünschen sich potenzielle Schenker*innen? Diese Fragen sollen gemeinsam bewegt werden.
Am 11.10.2018 wird es ab 18 Uhr ein gemeinsames Abendessen geben. Um 19.00 Uhr starten wir dann mit dem Film Free Lunch Society (2017). Im Anschluss daran wollen wir ins Gespräch darüber kommen, was wir ganz konkret tun würden, wenn für unser persönliches Einkommen gesorgt wäre. Und: Können wir Teile davon auch anhand des Stipendienmodells der Cusanus Studierendengemeinschaft erproben?

Das alles findet im Moselsaal der ehemaligen Jugendhergberge (seit 2015 Studierendenhaus der Cusanus Studierendengemeinschaft), Jugendherberge 1, Bernkastel-Kues statt. Sollten Sie/Ihr mit uns zu Abend essen wollen, bitten wir um eine Anmeldung per mail (theresaschnell@hotmail.de).

Eindrücke unserer Chorwoche & des Konzerts

 

Von Paulus Schürmann

Seit der Gründung der Cusanus Hochschule im Herbst 2015 kamen nun schon zum dritten Mal ein großer Teil der Cusanus Studierenden zusammen, um für eine ganze Woche den Versuch des gemeinsamen Singens zu wagen. In den für diesen Zweck vertrauten Räumlichkeiten der Alten Synagoge in Bernkastel-Kues formte sich über die Tage aus mehr als fünfundzwanzig Menschen ein klingender Chor. Für das diesmalige Projekt stand allerdings eine Premiere vor der Tür: Das anschließende Chorkonzert sollte nicht wie gehabt in der Alten Synagoge stattfinden, sondern diesmal in der Michaelskirche seinen Klangraum finden. Das Liedgut richtete sich dahingehend aus: mit einigen Werken aus dem 16. und 17. Jahrhundert, für die die barocke Architektur der Michaelskirche allein gebaut worden zu sein schien. Aufgrund der vorangehenden gemeinsamen Arbeit und bereits zweier Chorkonzerte konnte der Chor zum einen schon auf ein breites Repertoire zurückgreifen, zum anderen sich auch musikalisch neue Ansprüche und Ziele setzen. Im Zentrum stand eine Messe von Victoria, deren anspruchsvolle Läufe in den verschiedenen Stimmlagen zu Anfangs noch ihre eigenen Wege suchten, doch im Verlauf der Tage mehr und mehr in ein Gespräch zueinander treten wollten. War man froh, zu Beginn der Woche neben seiner eigene Stimme noch die des Nachbarn zu hören, so entwickelte sich bis zum Konzert durchaus ein Hören, das den ganzen Chor und die einzelnen Stimmen mit ihren Melodien und Erzählungen immer wieder als ein Ganzes zu vernehmen wusste, wodurch dem Auftritt in den Gewölben der Michaelskirche das Moment des singenden Lauschens anheim gestellt werden konnte. Die Victoria Messe forderte gleichsam die Fähigkeit des Hörens von jedem Einzelnen. So erkannte man das eigene Thema bald drüben im Sopran wieder, wo es schon vom Bass aufgegriffen, dem Alt zugespielt und vielleicht vom Tenor wieder neuerlich ausgestaltet wurde. Es entwickelte sich im Verlauf der Woche, neben einigen Registerproben, vielen Großproben und der ein oder anderen verträumten Einzelprobe im Treppenhaus oder auf dem Heimweg ein Konzertprogramm, das einige vertraute Klänge von Neuem aufleben ließ und die Neuheiten mit viel Freude den zahlreichen Gästen nicht vorenthalten wollte. So wurde von vielen Menschen, besonders auch um den Chor herum ein Nachmittag ermöglicht, der den Cusanus Hochschulchor die Musikalität und Klangkraft der Michaelskirche entdecken und erobern ließ. Ein besinnlicher und kraftvoller Gesang erfüllte die Kirche für einige wunderbare Momente und konnte zu einem gelungenen Semesterauftakt und zur Begrüßung vieler neuer Studierender beitragen.

Von Äpfeln, Birnen und anderen Blumen – Rückblick auf unsere 2. Herbstakademie

von Paulus Schürmann

Wozu das Wort ergreifen, Vergangenes hervorzurufen, Gewordenes erneut zu beschwören sich zu zeigen und damit sich dem forschenden interpretierenden Auge auszusetzen? Um Vergangenes gleich einem Bade zu genießen? Um sich an etwas festzuhalten? Um das Vergangene festzuhalten, es nicht zu verlieren? Um das Vergangene für heute und für die Zukunft fruchtbar werden zu las­sen? Usf. All das können Motive sein für einen Rückblick. Und diese können unendlich fortgeführt werden.
Wenn also an diesen irgendwas war, dass es wert zu sein scheint, festgehalten oder betont zu wer­den, zu einem Zeitpunkt, da es vorbei ist, dann muss es doch gefunden und ausgesprochen, das heißt in Worte gefasst werden! Also wollen wir keine chronologische Erzählungen mit allen Einzel­heiten erzielen, sondern einige wirklich wichtige Höhepunkte herausgreifen; diejenigen, die vielleicht weitreichendere Folgen haben und diejenigen, die erst wirksam dadurch werden, dass sie in Worte gefasst werden.
Im Getümmel vieler Menschen regt sich der Einzelne. Das vorzugreifen Mögliche, das möglich Vorzugreifende wurde versucht. Der Rahmen oder das Programm: 5 Tage, Mahlzeiten, Abwechs­lung in Vorträgen, Kursen, Open Space, Plena und Abendprogramm; dazwischen morgendliches Singen zum Aufwachen und gemeinsam mal was tun, angeregtes gemeinsames Putzen, Anrichten, Abwaschen, Schnibbeln usw. Alles von den Organisatoren Antizipierte wurde in dem Bewusstsein geplant, es in dem Moment der Umsetzung in die Verantwortung aller zu legen. Auch der Vortrag eines Referenten. Der Vortrag ist somit ein aktiver Raum des Hörens und Sprechens. Somit schon gar nicht nur in der Verantwortung des Referenten. Die Kurse sind noch ein Stück mehr in die Ge­meinschaft hineingetragen. Einzelne Menschen wurden angesprochen, durch Anbieten eines durch­laufenden Kurses einen antizipierenden Beitrag zu leisten, der im Moment der Tagung jedoch auch zum Gemeinschaftsprojekt aller wurde. Und jetzt noch im Nachhinein und im Nachklang aller im­mer weiter Gemeinschaftsprojekt sein wird, bis auch der letzte Tropfen irgendeiner damit in Zu­sammenhang stehenden Aktivität verflossen ist. Da das aber in einer Ewigkeit sein wird, da jede Handlung aus einer anderen heraus sich ergibt und zu dieser in irgendeinem wenn auch kleinsten Zusammenhang stehen wird, bleibt es ein gemeinsames Werdendes und steht im Strom der Zeit nun drinnen als herbstakademische Qualität. Auch die Zeit vor der Herbstakademie ist damit Ge­meinschaftsprojekt aller, denn nur aus der jeweiligen Gegenwart aller ist auch alles Vergangene zu verstehen. Doch zurück oder weiter.
Das Bedeutende ist das Gespräch, das gemeinsame Sich-hinwenden, Hinhören, Fragen und Den-Fragen-Nachlauschen. Zur Herbstakademie kam keiner, um etwas Produziertes zu kaufen und zu konsumieren. Selbst wenn er gewollt hätte, so hätte er es nicht über die ganze Woche durchgehal­ten. Zu lebendig war das Miteinander, zu ermöglichend jeder Moment, ob in den Kursen, in den Pausen, in den Nächten; zu nachfragend die Tagung selbst: Was denkst denn du? Wer bist du über­haupt? Was willst du hier? Hörst du mir zu? Was sagst du da?
Die Gratwanderung lag vielleicht in der Geburt der Tagung, vielleicht aber auch einfach nur am Gelingen des guten Essens und an der Beständigkeit des ebenfalls wunderbaren Wetters. Vielleicht lag die Gratwanderung aber auch in jedem Einzelnen. Wie holt man denn so eine Masse Mensch, um einmal diesen Bruch zu wagen, in einen Kreis angesprochener, angefragter, angeschauter Indivi­duen? Von A bis Z nur Menschen! Es braucht Leben, einen lebendigen Spirit, ob der nun im Wein liegt oder in der Luft, der die Menschen zusammenholt. Es braucht eine gemeinsame Geschichte. Diese war je­doch noch nicht geschrieben, drum musste sie erfunden werden. Diese Idee, einen Raum zu öffnen, in dem sich eine Geschichte entwickeln könne, in dem eine Geschichte ja erst entstehen könne, – un­ter diesem Stern stand der ganze erste Tag und wohl unsere ganze Motivation als Orga-Team. Wie fünf Zeitlose um ein unbeschreibliches Noch-nicht standen wir in den vielen Wochen der Planung und griffen an jenem Tag beherzt in unsere Mitte und zogen an dieser unbeschreiblich zerbrechlichen Substanz des Noch-nicht oder Schon-bald. Wir zogen vorsichtig wie an einem seidenen zusammen­geknülltem Tuch, dass keine Kanten und Enden hat, sodass sich ein Raum auftut – der Raum des Werdens oder des Es-wird. Bloß nichts dahineinstellen, bloß nicht gewaltsam diesen unbeschreib­lich kindlichen Raum befüllen, sondern lassen und abwarten, nur immer von außen streicheln und zupfen, sodass sich aus ihm heraus etwas gebären könne. Über die Tage entstand eine rege Geschäftigkeit des Zupfens und Aufspannens dieses Raumes. Aus fünf Geburtshelfern wurden achtzig und in ihrer Mitte begann sich etwas zu regen.
Ach wie unsäglich zerbrechlich ist doch eine solche Art des Zusammenarbeitens und wie gleichsam unsäglich lebendig und fröhlich ist als ein solches aus einer Gemeinschaft heraus geborenes Kind. Es fällt noch so oft auf Knie und Nase, es will doch laufen und spielen. Wie unendlich zart und un­scheinbar ist es dennoch und entwischt jeder trüben Aufmerksamkeit wie ein huschender Schimmer im Augenwinkel. Doch sieht man hier und dort seine Spuren. Unbemerkt hat es zum Beispiel Steine zum Spiel zusammengetragen, hat sich daraus einen kleinen Windfang gebaut, aus dem es keck herausblinzelt, wie aus einem großen staunenden Auge. Auch hat es am Abend ein Lied angestimmt, sodass alle einstimmen wollten und das Singen sich bis in die Nacht hineinzog. Einmal ging es an den Wasser­fall, die Tropfen zu zählen, später schlief es auf irgendjemandes Schoß schon beim Abendessen ein, als soeben die Sonne hinter den Weinbergen verschwand. Aus einer Wiese mit Bäumen wurde ein Hängegarten mit lauter Matten, wie ein Wohnzimmer. In den frühen Morgenstunden ging es schon Blumen pflücken, sodass das ganze Haus in gelbem Sonnenlicht erstrahlte; und Äpfel, Birnen. Meistens sang es vor sich hin und hüpfte leis von Mund zu Mund …auf der Töne goldnen Schwingen. – Ja, ein Hauch von Frühling brachte dieses Kind in den Spätsommer und läutete damit den süßen Herbst ein.
Wenn das alltäglich Leben ganz vollkommen ist und nichts herausfällt, kann eine Gemeinschaft ent­stehen. Auch wenn das Bild der Insel vielleicht widerstrebt, mag es doch hinkend wenigstens in den Kreis treten. Eine Insel ist ja nicht denkbar ohne einen ganzen Ozean und die Existenz weiterer In­seln. Auch werden sie heute oder morgen neu aus dem Meer geboren, finden über ewige Zeitläufe zueinander oder versinken wieder in den Fluten. Hebe deinen Blick. Eine kleine Insel wird schnell umrundet sein, aber auch der Ozean wird auf einer kleinen Insel eine größere Bedeutung haben. Nicht zur Insel hin, sondern ins Leben hinein. Isolation bedeutet nicht nur für das Kind den baldigen Tod, aber eine Insel muss es erst werden, aufsteigend aus den Fluten des Vergessens und noch nicht Erinnerns, um nach Herzen Ausschau halten zu können, wach die Hände reichend.
So haben wir den Hain des Akadeimos auf unsere Insel gelockt, sie baldigst wieder zu verlassen. Haben unter Buchen und anderen Sonnenschirmen das gemeinsame Studieren immer wieder neu probiert. Selbstbildung verantwortet in Gemeinschaft wurde zu einer Gemeinschaftsbildung in im­mer neuer Verantwortung eines jeden Selbstes. Selbst Verantwortung bildet Gemeinschaft und Ge­meinschaft bildet Selbstverantwortung. Alle Wendungen wurden versucht und wurden zur Grund­lage eines Herantastens an die Frage nach Was-denn-Freiheit-heute-eigentlic- sei. Ist sie über­haupt? Verweilt sie? Oder huscht sie gleich dem zarten Kind durch den Augenwinkel des müden Betrachters? Kann ich sie festhalten – meine Freiheit? Meine Freiheit!? Die ich meine…
Die Cusanus Studierendengemeinschaft lud ein und achtzig Menschen wurden zu Gastgebern und gewährten gastfreundlich Einlass dem freien Geist des fragenden Denkns, des Fragens nach Freiheit, des weniger noch Hörens, besser Lauschens nach Freiheit. Musste auch manche hart gewordene Vorstellung erst mit den scharfen Meißeln der Gedankenklarheit und der liebevollen Kraft der Herzenswärme tätig handelnd aufgeraut und aufgebrochen werden – darunter verborgen bewegte es sich doch, entwischte frech jedem neueren Zugriff der ungeübten Hand und wollte erst gezähmt werden, immer wieder rufend: Willst du mein Freund sein? Ja.
Was also bleibt zu sagen? Wir haben weiter geübt. Und werden es weiter und wieder tun! Es gab keinen eigentlichen Anfang und auch kein Ende dieser Herbstakademie. Sie wurde lediglich zu ei­ner Bündelung der Kräfte in Zeit und Raum, die die Arbeit eines Jahres in einer Woche versuchte. Denn manchmal ist es gut, sich für eine kurze Zeit mit Vielen zusammenzutun und ein Stück Wegs gemeinsam zu gehen, gemeinsam zu tun. Das gibt nicht nur Kraft, schärft auch die eigene Blick­richtung und erweitert die Perspektiven ungemein. Jeder auf seinem Weg… So wurde diese Tagung zu einer nicht notwendigen aber wesentlichen Wegkreuzung vieler, zu einem Ort des Übens und des einmal die Sache wirklich in die Hand nehmens. Für das Es-war dieser Kreuzung kann man nur dankbar sein. Für den weiteren Weg jedes Einzelnen bedarf es nichts mehr und nichts weniger, als ein liebevolles So-sein-lassen eines jeden für den andern – bis zur nächsten Begegnung im Du.

Aufgeraute Freiheit?

von Helene Schaefermeyer

“Freiheit ich will dich aufrauen”, so lautet der Beginn des Gedichtes der Schriftstellerin Hilde Domin, welches zum Thema der Cusanus Herbstakademie 2016 wurde. An diesem Thema — das als lyrischer Gedichtanfang die Herbstakademie fortführte und ihr zu ihrem zweiten Geburtstag verhalf — ist zweierlei auf bemerkenswerte Weise interessant: Zum einen, die gigantische Aufgabe dieses akademischen, künstlerischen und sozialen Unterfangens, nämlich zu dem Begriff der Freiheit etwas denken und sagen zu können, was zweifelsohne noch nie zum leichten philosophischen Metier gehörte, zum anderen, die merkwürdig anmutende Formulierung die Freiheit “aufrauen” zu wollen. Was lässt sich unter “aufrauen” verstehen? Was fordert Hilde Domin, wenn sie eine rauere Freiheit fordert? Eine “glasplittergespickte” Freiheit sogar? Kann man etwas aufrauen, um es vor Glätte zu bewahren? Vor Belanglosigkeit? Nicht zuletzt vielleicht vor der eigenen Fraglosigkeit? Hilde Domin verrät in ihrem Gedicht über die Freiheit nichts, sie definiert sie nicht neu, sie fordert laut und dringlich Aufgerautheit. Diese Forderung als Herausforderung, diese Fragen nehmen rund 80 interessierte Menschen nicht bloß offen, sondern mutig an, um sechs Tage lang in der Ökonomie, der Philosophie und der Kunst, jener glatten oder rauen Freiheit auf die Spur zu kommen; wobei jedoch die Frage nicht lautete: Was ist Freiheit? Und erst recht nicht: Bin ich frei? Vielmehr könnte die Frage folgendermaßen gelautet haben: Wie wird ein Mensch, wie werde ich, freiheitsfähig? Es ging also nicht um einen Zustand, nicht um eine neue Definition, sondern allenfalls um eine Fähigkeit, neu und immer neu zu definieren, zu korrigieren, zu kontextualisieren, der Freiheit einen Freiraum zu schaffen im Zusammenspiel von Wort und Begriff.

Nicht nur das gute Wetter und die grüne Höhe auf der in fast unverschämter harmonischer Schönheit die Jugendherberge erstrahlte, machte die Veranstaltung zu einem Freiheitsforschungsort, auch die vielen Beiträge, Diskussionen, ob am Mittagstisch, beim Kaffee oder Abendprogramm, ermöglichten, dass ausgerechnet zweierlei gelang: Erstens, über Freiheit etwas zu sagen, sie “überdenkbar” zu machen, ohne dabei all zu sehr in den bequemen Bahnen der philosophisch-historischen Hauptstraßen zu gehen. Zweitens, eine Fragwürdigkeit als Aufrauen zu ermöglichen, die nicht von Distanz und Verständnislosigkeit zeugt, sondern von einer Nähe als Anfang alles Verstehens. “Aufrauen” hieß für die Cusanus Herbstakademie, blickfähig zu werden für die Ecken und Kanten des Freiheitsbegriffs.

Hochschulchor geht an den Start

Zum Einjährigen der staatlichen Anerkennung gab es das erste Konzert des Hochschulchors. Danke an alle Beteiligten, insbesondere unseren Chorleiter (und Masterstudenten) Jakob!
Zum Einjährigen der staatlichen Anerkennung gab es das erste Konzert des Hochschulchors. Danke an alle Beteiligten, insbesondere unseren Chorleiter (und Masterstudenten) Jakob!

Das erste Probenwochenende und ein Auftritt auf dem
Marktplatz von Bernkastel-Kues liegen hinter uns. Ziemlich genau ein Jahr nach der staatlichen Anerkennung der Cusanus Hochschule ist eine weitere Idee Wirklichkeit geworden: Unser Hochschulchor. Gemeinsam wollen wir in Zukunft Lieder aus verschiedensten Ländern und Genres einüben und zum besten geben.

Der erste Auftritt fand am 11.07.2016 statt.

Einen kleinen Vorgeschmack gibt das folgende Video.

Doppelte Premiere


Gedanken zur 1. Herbstakademie der Cusanus Studierendengemeinschaft

 

von Leon Pelzer

 

Auf dem Weg zur ersten Herbstakademie der Cusanus Studierendengemeinschaft, meiner ersten Tagung dieser Art, gehen mir die verschiedensten Gedanken durch den Kopf. Welche Menschen werde ich treffen? Was treibt sie an? Wieso sind sie zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort? Welche Gedanken werden bewegt?

Neben vielen Fragen habe ich aber auch eine recht konkrete Vorstellung vom Geschehen vor Ort. Es wird wahrscheinlich viel los sein. Viele Begegnungen, Gespräche, Gedankenexperimente und die Tagung will auch logistisch und kulinarisch organisiert werden. Ich stelle mir das Ganze sehr lebendig und beweglich vor. Eine Art Fluss, der aus vielen Dingen besteht. Aufstehen, Frühstücken, Singen, Vortrag, Kurse, Mittagessen, Gemeinsame Aktion, Workshops, Abendessen und abendliches Beisammensein in verschiedenen Formen.
Als ich ankomme, ist dieser Fluss der Dinge schon auf ein beträchtliches Maß angeschwollen. Noch stehe ich am Ufer und nehme das geschäftige Treiben nur wahr. Es fließt an mir vorbei. Die Studierenden haben die Jugendherberge auf Vordermann gebracht. In der Küche laufen die Vorbereitungen fürs Abendessen und auf dem Hof wird noch schnell die „Akademiefahne“ gehisst.
Der offizielle Start der Herbstakademie, die Begrüßung auf dem Marktplatz der Altstadt, ist der Punkt, an dem ich in den Fluss springe. Ich lasse mich treiben. Bekomme während des angeleiteten Kennenlernens einen ersten Überblick über die teilnehmenden Menschen. Dazu gesellen sich Eindrücke aus dem ersten gemeinsamen Plenum, das in der Abendsonne auf der Wiese vor der Jugendherberge stattfindet. Beim Abendessen entstehen die ersten Gespräche und der Impuls­Vortrag der Cusanus Studierendengemeinschaft bringt mich zum ersten mal mit dem „Kugelspiel“ des Nikolaus von Kues in Kontakt. Eine Perspektive auf den Menschen, die mir sehr gefällt und die mich wohl noch länger begleiten wird.
Meine Vorstellung und der tatsächliche Ablauf der Tagung scheinen sich in etwa zu decken. Am Nachmittag des zweiten Tages entschließe ich mich dann, nicht an der gemeinsamen Aktion, dem Einkochen von Marmelade, teilzunehmen. Ich entsteige dem Fluss und klettere zurück ans Ufer. Suche mir einen Ort, an dem ich über das bisher erlebte nachdenken kann. Ich habe das Gefühl, dass sowohl die Organisation der Herbstakademie als auch der Tagungsort, die Jugendherberge und ihr Gelände, genug Freiraum für meine Entscheidungen bieten. Meine Wahrnehmung ist, dass es in der Gesellschaft oftmals ein Ungleichgewicht gibt. Ein Ungleichgewicht zwischen Individuum oder alleine sein und in Gemeinschaft sein. Es gefällt mir, dass die Herbstakademie Raum für beides bietet. Den Raum für Austausch und gemeinsamens Handeln und den Raum für zeitnahes Reflektieren der Ereignisse.
Zeitnahes Reflektieren von Ereignissen ist auch ein Thema beim ersten öffentlichen Bildungsgespräch der Cusanus Hochschule. Für mich einer der Höhepunkte der Akademie, nachdem ich verstanden habe, was genau dieses Bildungsgespräch ist. Studierende und Hochschule machen ein Gesprächsangebot an alle interessierten Menschen in Bernkastel­Kues und Umgebung. Wir treffen uns ja schließlich nicht nur, um uns in unserer „Blase“ wohl zu fühlen und uns vom Rest der Welt abzukappseln. Das Bildungsgespräch ist also ein lebensnaher praktischer Versuch, den Kontakt zu den unmittelbar uns umgebenden Menschen herzustellen.

Das finde ich gut. In dem Gespräch geht es um Handeln, Denken und Fühlen und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Bei mir entstehen sofort mehrere Fragen: Was fühle ich? Was denke ich? Wie handle ich? Wie bringe ich das zusammen? Tue ich das, was ich denke? Passen mein Handeln und mein Denken zusammen? Wie fühlt sich das überhaupt an?

Der Untertitel des Bildungsesprächs lautet: „Bildung als Weg zu seiner reflektierten Alltagspraxis“. Dieser Titel und der Verlauf des Gesprächs lassen bei mir den Eindruck entstehen, dass es nicht ganz verkehrt zu sein scheint, sich die Frage zu stellen, wann man sich aktiv ins Geschehen begibt und wann man sich zurückzieht und sein Denken und Handeln reflektiert. Es ist also genau die Frage, die ich mir während der Herbstakademie immer wieder stelle. Wo will ich mitmachen und wo ziehe ich mich lieber zurück und versuche das Ganze mal zu reflektieren? Denn das ist für mich die nächste spannende Frage. Wie genau geht das denn? Das Reflektieren? Wie fühlt sich das an? Wie komme ich eventuell zu einem bewussteren (Er­)Leben? Auch an dieser Stelle finde ich im Bildungsespräch erste Anhaltspunkte. Ein Gesprächsteilnehmer berichtet von seiner Alltagspraxis: Er versucht, meist am Abend, ein paar stille Minuten für sich zu finden und die Ereignisse des Tages noch mal Revue passieren zu lassen. Es soll ihm dabei helfen zu verstehen, was gut und was weniger gut gelaufen ist und was diese Geschehnisse mit ihm zu tun haben. Ein anderer Gesprächsteilnehmer berichtet, dass er immer mal wieder den eigenen Sprachgebrauch überprüft. Insbesondere die Adjektive, die er verwendet. Welche benutzt er häufiger und wieso haben gerade die sich eingeschliffen? Was hat das mit seiner Sicht auf die Welt zu tun? Eins ist klar: Einfach ist die Selbstbeobachtung nicht. Wenn ich dem ernsthaft nachgehen will, gibt es noch viel zu tun.

Erstmal tue ich allerdings etwas anderes. Der Nachmittag und auch die gemeinsame Aktion sind vorbei. Es ist Zeit für das Abendessen. Also gehe ich auf die Terrasse. Wir haben Glück mit dem Wetter und sitzen mit herrlichem Ausblick über Mosel und Weinberge an den weiß gedeckten Tischen. Ebenfalls Glück haben wir mit dem Essen. Das wird unter der Regie der Eltern eines Studenten zubereitet. Wir Akademieteilnehmer entscheiden selber wann und wie oft wir dabei helfen wollen.

Das (vegetarische) Essen und die Entscheidungen für meine persönlichen „Denkpausen“ statt der gemeinsamen Aktion führen mich dann zu einer Frage, die mich nicht mehr loslässt: Gibt es eine Möglichkeit für mehrere Individuen in einer Gruppe oder Gesellschaft zu leben, ohne so etwas wie Regeln zu haben? Regeln verstehe ich hier in einem sehr weiten Sinn. Darunter können ähnliche Ideen, ähnliche Ideale oder implizite „Verhaltensregeln“ gehören. Wieso ist da für mich ein Reibungspunkt? Ich glaube, dass jeder Mensch eine individuelle Persönlichkeit mit Wünschen, Bedürfnissen, Zielen etc. ist. Sobald es aber eine Gruppe oder Gesellschaft gibt, scheint es irgendwelche Regeln zu geben, die nicht mehr jedem Individuum mit seinen Bedürfnissen zu 100% gerecht werden (können). Noch vertrackter wird es, wenn zu den Regeln dieser Gruppe oder Gesellschaft gehört, dass jedes Individuum sich frei nach seinen Bedürfnissen und Wünschen entwickeln kann. Um es etwas konkreter zu machen: Mein Eindruck ist, dass sich die „westliche“ Gesellschaft auf die Fahnen schreibt, dass in ihr jeder das erreichen und machen kann was er will. Wie groß der implizite Rattenschwanz an Verhaltensregeln bei dieser Äußerung ist, vermag ich wahrscheinlich gar nicht zu überblicken. Eins springt mir allerdings ins Auge. Man kann alles machen was man will, vorausgesetzt man ist leistungsbereit. Wer in „unserer“ Gesellschaft nicht bereit ist zu arbeiten, der hat einen schweren Stand. Nach der Schule (und dem fast obligatorischen Auflandsaufenthalt) gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten: Ausbildung oder Studium. Was ist nun aber mit den Individuen, die dieser impliziten Regel der Leistungsbereitschaft nicht entsprechen? Da scheint die Idee von der Gruppe, in der jeder Mensch seine individuellen Entwicklungsmöglichkeiten hat, an ihre Grenze zu kommen.

An diesem Punkt komme ich nun wieder zur Herbstakademie und der Cusanus Hochschule.

Mein Eindruck ist, dass sich dort viele Menschen zusammen finden, die viele der gesellschaftlichen Regeln hinterfragen. Es soll ein Ort werden an dem es um die Bildung der einzelnen individuellen Menschen geht. Kein Schleifen von leistungswilligen Rädchen, die dann im Arbeitsmarkt eingesetzt werden können. In diesem Licht sehe ich auch die Herbstakademie. Eine offene und vielfältige Tagung, die für jedes Individuum offen steht. Mein ganz persönlicher Irritationspunkt ist ein Satz in der Einladung zur Herbstakademie (Auch im Bildungsgespräch kommt das Auftreten von Irritationspunkten als Bestandteil von reflektiertem Handeln zur Sprache). „Die Mahlzeiten werden vegetarisch, auf Wunsch auch vegan angeboten werden“. Ich frage mich was mit den Menschen ist, die Fleisch essen möchten. Dieser Gedanke löst eine kleine Denkkaskade aus, die zu den oben geschilderten Überlegungen bzgl. der Regeln einer Gruppe führen und mir persönlich eine sehr eindrückliche Erfahrung ermöglichen. Denn ich fühle mich stark zu den Menschen auf der Herbstakademie hingezogen. Ich finde dort Ideen und Vorstellungen, die denen von mir sehr ähnlich sind. Die Herbstakademie und die Cusanus Hochschule scheinen eine echte Alternative zu dem zu sein, das mich abstößt. Dazu zählen zu große Universitäten, die zu Ausbildungsorten verkommen, unauthentische Unternehmen oder mir unverständliche und befremdliche Politik und Parteien. Solchen Unternehmungen oder Gruppen habe ich in meiner Kritik häufig vorgeworfen, gar nicht das zu sein, was sie vorgeben. Zum Beispiel offen und frei für jedes Individuum. Ich brachte meine Kritik in dem plakativen Satz zum Ausdruck: „Du kannst hier alles machen was du willst so lange du dich an unsere Freiheit hälst“ oder „Das geht so nicht, das ist nicht die Freiheit die wir (die Gesellschaft, die Gruppenmitglieder) meinen“. Aber genau dieses, mein Kritikziel, finde ich in dem Satz der Einladung. „Innerhalb der von uns gesetzten vegetarischen Rahmenbedingungen hast du die Wahlmöglichkeit“. In der Gruppe, die ich interessant finde, gibt es also genau das, was ich an den anderen kritisiere. Nun stehe ich da. Kaum bewegt sich das Geschehen in eine Richtung, die mir zusagt, erhebt das Ideal den Finger und sagt: „Moment mal Freundchen, da stimmt etwas nicht“. Mein Ideal, dass es eine Gruppe oder Lebensgemeinschaft geben könnte, die jedem Individuum gerecht wird, steht auf der Kippe.
Im Rahmen der Herbstakademie finde ich keine Lösung mehr für dieses kippende Problem. Das macht nichts. Fragen animieren zur (geistigen) Bewegung. So entlässt mich die Herbstakademie mit mindestens einer konkretisierten Frage und ich finde: sowohl für die Herbstakademie als auch für mich war es eine gelungene doppelte (Tagungs­) Premiere.

“Epilog”:

Beim Schreiben dieses Textes fällt mir ein, dass ich mal bei Rudolf Steiner etwas gelesen habe, das mir nicht sehr plausibel erschien. Er schreibt in der Philosophie der Freiheit, dass das Handeln des Menschen auf der höchsten Stufe der Sittlichkeit weder von einer vorher bestimmten charakterologischen (inneren) Anlage noch von äußeren normativen Prinzipien bestimmt wird. Eine Handlung soll dann aus der moralischen Intuition heraus erfolgen (S. 158f). Im Lichte des von mir als problematisch empfundenen Spannungsfeldes zwischen Gruppe und Individuum erscheint mir dieser Gedanke nun doch nicht mehr so unplausibel. Vielleicht erübrigen sich Regeln wenn wir fähig sind, aus einer wie auch immer gearteten Intuition heraus zu handeln und miteinander zu leben.

Herbstakademische Gedanken

von Helene Schaefermeyer

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Wer nicht denken kann, was er handelnd zu verantworten hat,

darf nie Verantwortung tragen.

Wer nicht handeln kann, wo er verantwortlich wäre,

denkt nicht genug.

Wer nicht verantworten kann, was er denkt,

handelt trotzdem.

Wer verantwortlich ist,

hat bereits gehandelt.

Wer denkt,

handelt bereits.

Wer handelt,

sollte verantwortlich denken.

Denn, was wir heute verantworten, damit werden die Zukünftigen denken und handeln müssen.

Wie unsere Großeltern handelten, können wir heute weder verantworten, noch wirklich denken.

So müssen wir lernen, für unsere Kinder das Denken zu verantworten, aus welchem sie später Handelnde werden.

Diese Sätze als Vorspiel und Nachklang einer Tagung am Ende der Welt, nein am Rande vom Nirgendwo, auch nicht, sondern am Anfang einer Hochschule, die sich den Namen Hochschule mehr als verdient hat. Sie liegt nämlich 1. hoch oben auf einem Berg, jedenfalls teilweise (wie das geht, finden Sie selber heraus) 2. handelt es sich um eine wirkliche Schule: nämlich, eine Gedankenschule und einen neuen Schul(ungs)gedanken.

Die Herbstakademie in Bernkastel-Kues behandelte ein zukunftsträchtiges, gegenwartsmächtiges Thema: Die Frage nach der Bildung, nach Denken und Handeln und wie bereits angekündigt nach Verantwortung. Das sind große Worte und vor allem noch viel größere Aufgaben, die sich dahinter verstecken. Und mit großen Aufgaben und Fragen lässt sich Großes anstellen. Das haben die Teilnehmer der Herbstakademie bemerken dürfen. In die eine wie in die andere Richtung ging man auf die großen Worte zu, mal ganz musikalisch laut, dann ganz musisch geduldig, dann wieder denkend drastisch oder einfach handwerklich ordentlich. Jeder machte mit. Alle brachten sich ein. Gemeinsam schaufelte, putzte, polierte man die Begriffe frei. Bildung ist heute Selbstbildung. Schule ist heute Selbstschulung, und das Denken sollte für die Zukunft ein Selbstdenken sein. Das wurde auf der Herbstakademie deutlich und soll in der kommenden Zeit mit der Cusanus Hochschule ständig deutlicher werden. Für diese Art von eigenen Gedanken war die Tagung vom 8.-12. September 2015 an der Mosel ein gelungener erster.

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Beginn der Herbstakademie & Bildungsgespräch

Heute beginnt unsere Herbstakademie! Die Vorbereitungscrew ist schon seit Tagen dabei alles vorzubereiten und die Jugendherberge zu polieren. Nun glänzt sie, die Sonne scheint und wir freuen und auf schöne gemeinsame Tage mit vielen neuen Denk- und Hadlungsanstößen!

Alle die nicht auf der Herbstakademie dabei sein können sind herzlich eingeladen am Freitag den 11.9. um 20Uhr zu dem ersten öffentlichen Bildungsgespräch der Cusanus Studierendengemeinschaft zum Thema: „Handelnd Denken – Denkend Handeln: Bildung als Weg zu einer reflektierten Alltagspraxis?!“ in der Güterhalle im alten Bahnhof von Bernkastel-Kues zu kommen. Dort werden verschiedene Menschen aus akademischen, unternehmerischen und zivilgesellschaftlichen Kontexten dieser Frage nachgehen und gemeinsam nach Möglichkeiten und Bedingungen suchen, wie Bildung zu einem verantwortungsvollen Denken und einer reflektierten Alltagspraxis beitragen kann.

 

Rückblick auf das Symposium „Geld als Denkform“

Vom 8. bis zum 10. Mai fand im Ratssaal und den Räumlichkeiten der Hochschule das Symposium „Geld als Denkform“ an der Cusanus Hochschule statt.

Neben zahlreichen Experten zum Thema ‚Geld‘ aus den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen nahmen auch Gäste sowie externe und Studierende der Cusanus Hochschule an der Veranstatung teil. Zusammen spürten sie den mentalen Spuren des Geldverkehrs in Wissenschaften, Philosophie und Alltagswahrnehmung nach.
Mit einem Vortrag zum Geld als Denkform eröffnete Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck die Tagung – gefolgt von Prof. Dr. Carsten Hermann-Pillath, der eine Brücke aufwies zwischen der Philosophie des Geldes von Georg Simmel und moderner, nicht reduktionistischer Neuroforschung. In die Welt der griechischen Tragödie führte Prof. Dr. Richard Seaford am Samstag, um auf das gleichzeitige Auftreten der ersten Monetarisierungswelle und des sich als getrennt von Göttern und Mitmenschen wahrnehmenden Subjekts in der Tragödie hinzuweisen. Frau Dr. Annika Schlitte vertiefte dieses Thema durch einen Beitrag zur  Philosophie der Gabe und Reziprozität. Prof. Dr. Walter Ötsch zeigte Parallelen zwischen Monetarisierung in der Renaissance und den neuen Kategorien linearer Zeit und des absoluten Raumes in der kulturgeschichtlichen Entwicklung von der Renaissance zur Moderne auf und machte deutlich, wie sich dadurch der sozioökonomische Denkhorizont der Moderne kontinuierlich verengte. Dr. Eske Bockelmann schloss daran seine These des Wandels vom Rhythmus zum Takt der frühen Neuzeit. Hans Wagenmann wagte ein analoges Phänomen in Bewegungen erlebbar zu machen. Prof. Dr. Harald Schwaetzer zeigte anhand der Diskussion in Malerei und Philosophie des 15. Jahrhunderts, welche kulturellen Entwicklungsalternativen im offenen Raum der frühen Neuzeit lebten. Einen Gesamtüberblick entlang der Kategorien des Bewussten und Unbewussten inspiriert durch japanische Philosophie leistete Frau Prof. Dr. Silja Graupe. Den besonderen Charakter der Tagung machte die Mischung aus Diskussion und Gespräch aus. Die Beiträge erfahrener Forscher wurden von den Teilnehmern dankbar angenommen und jeweils kurz, mitunter scharf diskutiert.
In anschließenden offenen Phasen gelang es gemeinsame Fragen und Ausgangspunkte zu schärfen um neue Fragen an eine Lebenspraxis zu formen. Der gemeinschaftliche Charakter und die vielen helfenden Hände waren deutlich spürbar und machten die Tagung zu einem besonderen Erlebnis von Bildung in Gemeinschaft.

Es wird eine Veröffentlichung beim Metropolis Verlag in der Reihe Kritische Studien zu Markt und Gesellschaft.

Florian Rommel
Cusanus Studierendengemeinschaft e.V.