21. Adventskalendertörchen

In den letzten Tagen ist es immer leerer geworden. Nach den trubeligen letzten Wochen war es ganz angenehm mal in kleiner Runde zusammen zu sein. Die Vorräte aus der Kühlkammer werden nach und nach aufgebraucht, das Haus geputzt und die letzten Weihnachtsvorbereitungen getroffen. Um die Sonne zu sehen muss man einen kleinen Spaziergang um den Hausberg herum machen oder zur richtigen Zeit vormittags im Arbeitszimmer sitzen, wenn sie kurz über den Hügel schaut. Aber heute ist Wintersonnenwende und ich freue mich schon wieder darauf die Wanderung der Sonne in die andere Richtung zu beobachten.

20. Adventskalendertörchen

Reflexion

Reflexion – vielleicht könnte ich dieses Wort in allen seinen Spielarten zum Studiumswort Nummer 1 erheben. Kein Seminartag vergeht, ohne dass wir in irgendeiner Weise darauf stoßen wie wichtig es ist die eigenen Einstellungen und Überzeugungen, die Geschichtsschreibung, die Nachrichten in der Zeitung usw. zu hinterfragen und zu reflektieren. Manchmal kann das auch ziemlich verrückt und frustriert machen. Besonders wenn ich versuche mich politisch und ethisch sehr korrekt zu verhalten und durch die Reflexion merke wie unvollständig das gelingt.

In der Studierendenschaft haben wir uns selbst einmal im Jahr einen Tag der internen Kulturreflexion verordnet. Das heißt wir wollen gemeinsam darüber sprechen wie wir zusammen arbeiten, leben, denken und uns organisieren. Dabei soll Raum sein für die Themen für die man sich Zeit nehmen muss, weil sie Grundsätzliches betreffen und die sonst im Alltagstrubel hinten runter fallen. Im Januar haben wir nun sogar zwei Tage dafür eingeplant. Ein Thema wird „Kommunikation und Entscheidungsfindung“ sein, ein anderes „Wie wollen wir gemeinsam auf der Jugendherberge leben?“ Es geht darum, dass wir immer wieder schauen wo wir gerade stehen mit den Dingen die wir tun und ob unsere Praktiken (noch) dem entsprechen was alle gemeinsam als wichtig empfinden. Die Reflexion verhindert, dass man sich selbst nicht mehr hinterfragt und sorgt dafür, dass man immer schaut ob man sich noch auf dem Weg befindet den man einmal eingeschlagen hat.

Auch die Hochschule hat sich in ihrer Grundordnung dazu verpflichtet einmal im Jahr ein Hochschulgespräch durchzuführen. Bei diesem sollen Studierende und Präsidium zusammen kommen, sich gegenseitig berichten und über die Entwicklungen der Hochschule reflektieren und diskutieren. In einem System, dass von so vielen Regeln und Vorgaben geprägt ist wie das Wissenschaftssystem, ist ein solcher Ort besonders wichtig wenn man etwas verändern will. Er bietet die Möglichkeit gemeinsam darauf zu schauen welche Ziele und Ideale man erreicht hat und an welchen man weiter arbeiten muss.

18./19. Adventskalendertörchen

manchmal vergisst man ja einfach mal an einem Tag ein Türchen aufzumachen. Und so soll es dann andersherum auch vorkommen, dass man ein Türchen aufmachen will und dann ist keins da. Entschuldigt die Verspätung. Heute kommen 18 und 19 zusammen

Verfasste Studierendenschaft

In den ersten Monaten meines Studiums hier, bekamen wir von Präsidium der Hochschule den Auftrag eine verfasste Studierendenschaft zu gründen. In Rheinland-Pfalz ist eine Studierendenvertretung Pflicht für jede Hochschule. Die Studierenden können über diese ihre Rechte geltend machen, bekommen finanzielle Mittel und können Verhandlungen (z.B. über Semestertickets etc.) führen. Das ist nicht überall so. In Bayern und Baden-Württember wurden die Verfassten Studierendenschaften in den 70-er Jahren abgeschafft, weil sie den regierenden Parteien zu links waren. In Baden-Württemberg wurden sie 2012 wieder eingeführt, in Bayern gibt es immer noch keine.

Für uns stellte sich nun die Frage wie wir unsere verfasste Studierendenschaft aufbauen wollten. Wir hatten ja bereits den Studierendenverein über den bisher alle studentischen Belange geregelt wurden. Diesen wollten wir auch unbedingt erhalten, für die solidarische Finanzierung und auch um einen unabhängigen Verein zu haben, der nicht an die Hochschulstrukturen gebunden ist. Aber auch in der verfassten Studierendenschaft wollten wir versuchen die Strukturen möglichst hierarchiefrei zu halten und allen die Möglichkeit geben mitzubestimmen. Das sollte sich in der Satzung niederschlagen.

Nach dem Landeshochschulgesetz ist vorgesehen, dass es ein Studierendenparlament gibt, dass gewählt wird und dass die Hoheit über die Satzung der Studierendenschaft hat. Normalerweise setzt das Studierendenparlament auch den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) ein, der über einzelnen Referate die alltäglichen Belange der Studierenden vertritt und bearbeitet. Da wir nur so wenig Studierende sind, haben wir in unserer Satzung festgelegt, dass die Vollversammlung (VV) der Studierenden die Aufgaben des Studierendenparlaments übernimmt. Die VV ist damit das höchste Organ. Außerdem haben wir Referate zu verschiedenen Themen (Hochschulpolitik, Studentisches Leben in Bernkastel-Kues, Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit und Bildung und Kultur) gegründet, die jeweils Delegierte in den AStA schicken. Der AStA vernetzt und koordiniert die Referatsarbeit. Die Referate können selbstständig arbeiten, müssen aber der VV berichten und sind an ihre Entscheidungen gebunden.

Was erstmal etwas verwirrend klingen mag, ist der Versuch allen Studierenden möglichst viel Autonomie zu geben in ihrer Arbeit in den Referaten und gleichzeitig in der Vollversammlung mit allen Studierenden gemeinsam die richtungsweisenden Entscheidungen zu treffen.

Es hat großen Spaß gemacht, sich mit diesen strukturellen Fragen auseinander zu setzen. In der Praxis merkt man nun, dass diese Strukturen ihre Zeit brauchen um sich zu etablieren und dass nicht immer alles so läuft wie man sich das vorgestellt hat. Aber vieles funktioniert auch sehr gut, und die Vollversammlung kann ja im Zweifelsfall auch beschließen die Satzung wieder zu ändern.

17. Adventskalendertörchen

Grenzen

Das Oberthema der Studia Humanitatis Seminare dieses Semester ist Begegnung und Gemeinschaft. Im ersten Teil davon beschäftigen wir uns mit Grenzen. Zu Anfang war mir nicht ganz ersichtlich in welchem konkreten Zusammenhang diese Themen stehen, doch im Laufe des Seminars wurde das immer klarer. Die Texte die wir als Einstieg ins Thema lasen, drehten sich viel um politische Grenzen. Um die aktuelle Rennaissaince von Grenzen in und um Europa und dass es am Ende immer um ein „drinnen“ oder „draußen“ geht. In unseren Diskussionen bewegten wir uns dann hin zu der Frage nach den Grenzen von Gemeinschaft.

Kann eine Gemeinschaft ohne Grenzen existieren? Wäre es dann überhaupt noch eine Gemeinschaft? Und wenn man sagt, eine Gemeinschaft braucht gewisse definierte Grenzen um zu existieren, wer definiert diese dann? Könnte man sich vielleicht eine Gruppe vorstellen, in der sowohl die die dazu gehören, als auch diejenigen die dazu gehören wollen, gemeinsam darüber entscheiden ob das passt oder nicht? Es scheint schwer vorstellbar, aber vielleicht wäre es einen Versuch wert. Für mich hatten diese Fragen plötzlich große Relevanz, als sich bei uns in der Studierendenschaft die Frage stellte, wie viele Menschen dauerhaft mit eigenem Zimmer auf der Jugendherberge wohnen dürfen. Denn das Haus ist groß, aber wenn zu viele Zimmer einzeln belegt sind, wird es irgendwann zu eng für die, die nur zu den Blockseminaren in Bernkastel-Kues sind. Wenn aber nur eine gewisse Anzahl von Menschen dorthin ziehen darf, wo wird dann entschieden wer? Und von wem? Wir stellten uns auch die Frage, ob die älteren Semester mehr Recht haben, dort zu wohnen als die neu dazu gekommenen. Eigentlich sollen ja in einer Gemeinschaft alle die gleichen Rechte haben.

Diese Fragen klingen vielleicht banal. Aber sind es nicht die alltäglichen Dinge, die uns am besten lehren, wie man mit bestimmten Fragen umgehen will und sollte? Und falls jemand nun eine Antwort auf die oben gestellten Fragen erwartet und muss ich leider enttäuschen. Ich habe keine. Ich bin selbst noch auf der Suche. Ich glaube es ist immer ein Abtasten, ein sich annähern an ein Ideal bei dem niemand übergangen wird und sich die Gemeinschaft gleichzeitig nicht ins Beliebige auflöst.
Für unsere Wohnfrage haben wir eine gute Lösung gefunden. Aber so ganz haben wir es trotzdem nicht geschafft alle an der Entscheidung zu beteiligen.

16. Adventskalendertörchen

Wohnen – Mieten? Kaufen?

Heute haben wir ein Haus besichtigt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele tolle leer stehende Häuser es hier gibt. Gerade in Bernkastel sind viele der schönen alten Fachwerkhäuser, in denen unten die Geschäfte sind, schon seit langem unbewohnt. Seit ich hier bin schaue ich immer wieder gerne in die Immobilienanzeigen, was gerade so zu vermieten und zu verkaufen steht. Denn die Jugendherberge werden wir nicht auf Dauer bewohnen können (sie soll saniert und irgendwann wieder zu einer Jugendherberge werden) und selbst so werden sich mit wachsenden Studierendenzahlen auch in der Stadt einige WGs gründen müssen.
Außerdem merke ich, dass es auch manchmal sehr anstrengend sein kann, in einem Haus zu leben in dem immer so viel Kommen und Gehen ist wie hier. Da wünscht man sich doch manchmal so eine gemütliche kleine 8-er WG, in der die Küche nur 15qm hat und nicht 50. Die meisten größeren Immobilien hier sind allerdings zu verkaufen. Dafür aber verhältnismäßig günstig. Deshalb haben wir schon überlegt, ob man nicht über den Studierendenverein einen Kredit aufnehmen könnte, der dann im Laufe der Jahre über die Miete abbezahlt wird. Wenn das Haus dem Verein gehört ist es kein Privateigentum mehr und kann immer als Wohnraum für Studierende zur Verfügung stehen, ohne dass Einzelne von uns sich für Jahre an die Region binden müssen.
Vielleicht könnte man sich auch an das Mietshäusersyndikat anschließen. Das ist ein Verein, der extra dafür gegründet wurde um Hauskaufprojekte zu ermöglichen und um so Häuser vom Immobilienmarkt zu nehmen und einer Gemeinschaft zur Nutzung zur Vefügung zu stellen.

Mal schauen. Vielleicht ist das gerade auch noch eine Nummer zu groß. Das Haus heute war jedenfalls sehr schön und wäre erstmal zu vermieten….

15. Adventskalendertörchen

1000 x 1000

Vorgestern habe ich über Studiengebühren geschrieben. Ein Großteil der Finanzierung der Hochschule kommt jedoch aus Spenden und Schenkungen von Menschen, Unternehmen und Stiftungen die das Bildungsanliegen hier unterstützen wollen. Wichtig ist dabei vor allem, dass die Spenden ungebunden sein müssen, dass also niemand mit viel Geld versuchen kann, seine*ihre privaten inhaltlichen Interessen durchzudrücken.

Die Cusanus Hochschule ist damit eine bürgerschaftlich finanzierte Hochschule. Das heißt aber auch, dass die Bürger – die Gesellschaft – davon überzeugt sein müssen, dass hier etwas unterstützenswertes passiert. Denn ohne ihre Unterstützer*innen, ob finanziell oder ideell, kann die Hochschule nicht überleben.
Ich glaube dass alle Menschen die hier sind und die diese Hochschule mitgegründet haben der Meinung sind, dass dadurch ein gesellschaftlicher Beitrag geleistet wird. Aber es reicht eben nicht, wenn die Menschen die drinnen sind das denken. Es muss auch tatsächlich passieren und von außen so wahrgenommen werden.
Oft wird der Wissenschaft vorgeworfen, dass sie in einem Elfenbeinturm agiert, der wenig mit der realen Welt zu tun hat. Wir versuchen hier, dem etwas entgegen zu setzen. Ich muss zugeben, dass das nicht immer einfach ist. Oft erwische ich mich und uns bei Gesprächen und Diskussionen, die mir doch sehr fern von den aktuellen Problemen vieler Menschen erscheinen. Aber gleichzeitig habe ich auch in allen Seminaren immer wieder das Gefühl, dass die Themen aktuell sind. Dass sie einen direkten Bezug zu dem haben, was gerade passiert. Und dass es sehr hilfreich für die Bewältigung von Problemen sein kann, sich in ganz grundlegenden Überlegungen bewusst zu machen woher das Problem eigentlich kommt. Und das ist glaube ich etwas, wo die Wissenschaft einen wichtigen Beitrag zur Bearbeitung der großen Fragen unserer Zeit, unserer Welt, leisten kann.

Eine Idee für die Finanzierung der Hochschule ist die 1000 x 1000 Kampagne. Wenn sich 1000 Menschen finden, die 1000€ im Jahr spenden, dann steht die Grundfinanzierung. Natürlich sind das nur sinnbildliche Beträge. Aber sie stehen für die Idee, dass auch so etwas großes wie eine Hochschule mit vielen kleineren Beträgen aus einem großen Netz von Unterstützer*innen getragen werden kann.

Genauso wichtig wie die finanzielle Unterstützung ist, dass die Hochschule bekannter wird. Dass junge Menschen, die nach Alternativen zum klassischen Wirtschafts- oder Philosophiestudium suchen, davon erfahren. Denn ohne neue Studierende gibt es auch keine Hochschule. Und zufällig kommt man in Bernkastel-Kues dann eben doch meistens nicht vorbei.

In diesem Sinne kann ich nur sagen: wenn ihr Menschen kennt, die die Idee einer solchen Hochschule unterstützen wollen – sagt es weiter!
Wenn ihr Menschen kennt, die auf der Suche nach alternativen Studiengängen sind – sagt es weiter!

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Konto der Cusanus Hochschule:
IBAN: DE87 5875 1230 0032 4734 80
BIC: MALADE51BKS

Für mehr Infos zu der 1000×1000 Kampagne
https://www.cusanus-hochschule.de/wp-content/media/pdf/cusanus-hochschule-flyer-1000mal1000.pdf

14. Adventskalendertörchen

Gestern habe ich mir vorgenommen nächsten Sommer die schönen Fahrradbedingungen an der Mosel unbedingt mehr zu nutzen. Obwohl ich nun schon 10 Monate hier wohne, ist mein Radius doch relativ klein geblieben. Hinter der Jugendherberge beginnt direkt der Wald (da geht es Richtung Hunsrück), in dem man wunderschön spazieren gehen kann, aber schon was die nächsten Dörfer und Städtchen an der Mosel an gehen, haben sich meine Erkundungen bisher in Grenzen gehalten. Man wird doch ein bisschen bequem wenn man es auf dem eigenen Gelände so schön hat und sowieso den ganzen Tag so viel zu tun ist.

Den Anlass zu diesen Überlegungen gab eine Autofahrt zu einem ca. eine Stunde Moselabwärts gelegenen Sägewerk, wo wir für verschiedene Bauprojekte Holz holten. Dabei kamen wir durch all die kleinen Moseldörfer, deren Namen man sich nicht merken kann und die im Dezembernebel denkbar verlassen aussehen. Aber im Sommer muss es hier überall wunderschön sein. An den Steilhängen ist jeder kleinste Quadratmeter voll mit Weinreben und überall führen eingleisige Metallschienen durch, über die im Herbst die Trauben abtransportiert werden.

Von dem Sägewerk soll an dieser Stelle auch noch kurz erzählt werden. Mitten im Nirgendwo liegt es, mit Maschinen die bestimmt schon seit 50 Jahren laufen und einem alten Mann, der für jeden Sonderwunsch unter irgendeiner Plane noch einen Stapel Holz findet. Manches liegt seit 10 Jahren dort, was die Qualität nur steigern kann. Denn Holz – so lasse ich mir sagen – muss lange langern und trocknen, damit es nicht reißt oder sich verzieht. Auf jeden Fall muss man aufpassen, dass man nicht in einen Kaufrausch verfällt bei so viel schönen Bretter die die Heimwerker-Phantasie anregen. Ein langes Lärchenbrett, innen rot mit hellen Rändern konnte ich dann doch nicht da lassen. Mal schauen was daraus wird – vielleicht im Sommer eine Theke für die Bar im Garten….

13. Adventskalendertörchen

Studiengebühren

Als die großen Studentenproteste gegen Studiengebühren 2007 stattfanden, war ich noch Schülerin und auch bei einer großen Demo in Freiburg dabei. Allerdings mehr weil wir dadurch schulfrei hatten, als aus politischer Motivation. Erst als Studentin wurde mir klar was es bedeutet keine Studiengebühren zahlen zu müssen und wie wichtig diese Errungenschaft ist. In Deutschland wird die Bildung und damit auch die Universitäten vom Staat also durch Steuergelder finanziert – Bildung soll frei zugänglich sein, ohne finanzielle Hürden.

Die Cusanus Hochschule ist allerdings eine private Hochschule, die keine Finanzierung vom Staat erhält. Außerdem steht keine Stiftung oder Firma mit viel Geld hinter ihrer Gründung, sondern Professor*innen und Studierende selbst. Die Rechtsform der Hochschule ist die einer gemeinnützigen Stiftung, die von einer Treuhand verwaltet wird. Dadurch ist garantiert, dass es nicht darum geht Profite zu machen.

Die Studiengebühren von 300€ pro Monat decken zwar nur ca. ein Drittel der anfallenden Kosten, der Rest kommt vor allem durch Spenden (dazu ein ander mal mehr) und Stiftungsprofessuren zusammen. Trotzdem sind 300€ im Monat nicht wenig. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele von vornherein nicht weiter lesen wenn sie auf der website die Studiengebühren sehen. Und das fände ich nicht nur schade, sondern eigentlich nicht vertretbar, weil nur die weiter lesen, die sich keine Gedanken über Geld machen müssen.
Für mich ist es immer wenn ich mit Menschen spreche wichtig zu betonen, dass niemand aus finanziellen Gründen von einem Studium hier abgehalten werden soll. Denn in den meisten Fällen gibt es in den Bekannten- und Verwandtenkreisen Unterstützungsmöglichkeiten für ein solches Vorhaben wenn man das wirklich will. Die Hochschule bietet Stipendien für Härtefälle. Und am Ende versuchen wir in der Studierendenschaft immer gemeinsam eine Lösung zu finden, sodass niemand mit finanziellen Fragen allein stehen muss.

12. Adventskalendertörchen

Bernkasteler Weihnachtsmarkt

Einer der Höhepunkte des Jahres in der Stadt (nach dem Weinfest natürlich) ist der Bernkasteler Weihnachtsmarkt. Wie jeder Weihnachtsmarkt ist er etwas ganz Besonderes, es gibt Glühwein und ganz viele schöne Kleinigkeiten zu kaufen.

Eines der Fachwerkhäuser am Marktplatz beherbergt einen Adventskalender, dessen Fenster jeden Tag in Form eines kleinen Auftritts geöffnet werden. Heute waren die Studierenden der Cusanus Hochschule dran. Da wir uns ja sonst eher auf unserem Berg in der Jugendherberge „verkriechen“ oder den ganzen Tag in den Seminaren sitzen, sollte die Stadt nun auch mal etwas von uns mitbekommen. Immerhin waren auch einige Leute da, die andächtig den Weihnachtsliedern auf dem Sachsophon lauschten, sowie einer studentischen Weihnachtsgeschichte. Ein Student wird als Weihnachtsmann engagiert, bringt seine Freunde mit um das Buffet leer zu essen und den Kindern zu erklären, dass sie immer schön den Lehrern widersprechen sollen und nicht nur sprechen wenn sie gefragt werden.

Hoffentlich haben wir die Bernkasteler damit nicht abgeschreckt, aber immerhin ist es ja auch an der Cusanus Hochschule gern gesehen wenn die Studierenden eigene Fragen stellen – insofern passte es doch ganz gut.

11. Adventskalendertörchen

Forschungsprojekte

Ein wichtiger Teil unseres Studiums sind unsere eigenen Forschungsprojekte. Neben den Blockseminaren haben wir die Möglichkeit uns eineinhalb Jahre intensiv mit einem Thema zu beschäftigen, dass wir selbst aussuchen. Einige meiner Kommiliton*innen sind schon mit ganz spezifischen Fragen hierher gekommen. Für viele war die Möglichkeit seine eigene persönliche Forschungsfrage in das Studium zu integrieren auch der Hauptgrund an dieser Hochschule zu studieren. Bei mir selbst und anderen hat sich das eigene Forschungsthema erst im Laufe des ersten Semesters entwickelt.

Am Anfang hat mich die Frage danach „was denn eigentlich so mein Thema ist, meine Fragen an denen ich arbeite…“ ein bisschen überfordert. Nicht, dass ich mich nicht mit verschiedensten Themen auseinander setzen würde. Aber „das“ Thema konnte ich nicht so direkt benennen. Vielleicht gibt es da auch einfach unterschiedliche Typen. Menschen die sich in eine ganz bestimmte Problematik oder gesellschaftliche Frage reinarbeiten und immer wieder zu diesem Thema Bezug nehmen. Und andere die immer wieder verschiedene Themen bearbeiten, dafür dann weniger intensiv.

Bei mir hat sich im Laufe des Jahres rausgestellt, dass ich doch immer wieder zu der Frage nach Entscheidungsfindung und gesellschaftlicher Teilhabe zurück komme. Wer darf wo mitbestimmen? Wie werden Entscheidungen getroffen? Was gibt es für Alternativen zu einfachen Abstimmungen mit Mehrheitsentscheid. In mehreren politischen Gruppen in denen ich aktiv bin, versuchen wir die wichtigen Entscheidungen gemeinsam zu treffen, sodass alle in der Gruppe die Entscheidung mittragen können. Nicht, dass alle sie gleich toll finden. Aber so, dass niemand der damit nicht leben kann, überstimmt wird.
In meinem Forschungsprojekt beschäftige ich mich damit wie solche Entscheidungsprozesse funktionieren oder auch nicht funktionieren. Was braucht es für eine gute Entscheidung? Und wenn etwas in einer kleinen Gruppen funktioniert, geht das dann auch mit mehr Menschen? Was ist mit der staatlichen Ebene?
Auch wenn die meisten Antworten nur neue Fragen aufwerfen – es tut gut sich immer wieder auf ein Thema zu konzentrieren und daran weiter zu arbeiten.