Einblicke in unser studentisches Leben

In der Adventszeit 2016 hat Anne jeden Tag ein kleines Adventskalendertörchen auf unserem Blog geöffnet und Einblicke in unser studentisches Leben gegeben.
Da die Adventskalendertörchen aber auch außerhalb der Adventszeit einen guten Eindruck von unserem Leben vor Ort geben, sind sie hier noch mal gesammelt.

 

1. Adventskalendertörchen

Liebe Freunde Förder*innen der Cusanus Studierendenschaft und der Cusanus Hochschule,

Seit einem Jahr studiere ich nun an der Cusanus Hochschule im Master Ökonomie und Gesellschaftsgestaltung. Da mich viele meiner Verwandten, Bekannten und Freunde immer wieder fragen was ich eigentlich hier so mache, will ich dieses Jahr im Advent ein bisschen darüber berichten. Jeden Tag gibt es ein Adventsfenster in Form eines kurzen Blogeintrags, der über das Leben und Studieren hier in Bernkastel-Kues berichtet. Die Nachrichten sind natürlich aus einer sehr persönlichen Sicht geschrieben und können nicht immer verallgemeinert werden, aber ich hoffe sie geben einen kleinen Einblick.

Einen schönen Advent wünscht euch und Ihnen
Anne Kretzschmar

 

2. Adventskalendertörchen

Eigentlich wollte ich mir diese Uni ja nur mal anschauen. Ein Gastseminar, dachte ich, und dann kann ich mir in Ruhe überlegen, ob das ein passender Masterstudiengang für das nächste Wintersemester wäre. Und bis dahin schaue ich noch in einige andere Unis rein, arbeite und gehe auf Reisen.

Und dann kam alles ganz anders… nach einem zweiten Gastseminar bewarb ich mich um einen nachträglichen Einstieg in das laufende Semester und hielt ca. einen Monat nach meiner ersten Ankunft in Bernkastel-Kues meine Immatrikulationsbescheinigung in der Hand. – Also doch kein freies Jahr, in dem ich endlich mal machen kann worauf ich Lust habe? – Doch, sogar zwei Jahre, in denen ich genau das machen kann, worauf ich Lust habe! Und zwar mit einer Gruppe von interessierten Menschen zusammen lernen und nachforschen, wo die Grundlagen unserer Wirtschaft und Gesellschaft liegen. Und das von ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten aus. Zum Beispiel auch von einer philosophischen Seite, mit der ich mich bisher eher wenig beschäftigt hatte. So ging ich sehr gespannt und auch ein bisschen skeptisch in mein erstes Seminar des Moduls Studia Humanitatis.

Studia Humanitatis – anfangs konnte ich mit diesem Begriff herzlich wenig anfangen. Die lateinischen Wörter waren mir zwar nicht ganz fremd, aber so wirklich wusste ich nicht was mich da erwartete. “Das gemeinsame Herzstück aller Studiengänge” heißt es auf der Homepage der Hochschule und im Nachhinein denke ich, dass das vielleicht in zweierlei Hinsicht stimmt. Einerseits verbindet dieses Modul die Studierenden des Philosophie- und des Ökonomie-Studiengangs und andererseits ging es in unserem Seminarteil zu Biographie und Bildung auch um unseren innersten Zugang zur Welt. Z.B. um die Frage nach der absoluten Wahrheit – gibt es die überhaupt? Und wenn es sie gibt, wer kennt sie? Und wenn es sie nicht gibt, warum mache ich das alles überhaupt? Wie kann ich mein tägliches Leben leben und mich für eine gerechtere Welt einsetzen, wenn ich nicht weiß ob es überhaupt eine wahre Gerechtigkeit gibt?

Wir lasen Texte von Schelling und Hölderlin und beschäftigten uns mit Diskursen über Wahrheit, Schönheit und mit dem Denken im deutschen Idealismus. Dabei gab es immer wieder diese Momente, in denen ich auf einmal merkte: Das hat etwas mit mir zu tun. Das ist nicht nur eine spannende Diskussion über Philosophiethemen, sondern es ist ein Weg zu verstehen, was Denken überhaupt ist und wie man Denken lernt. Und was kann man sich mehr von einer Uni wünschen, als das Denken zu lernen?

 

3. Adventskalendertörchen

Die vier Jahreszeiten

Seit drei Tagen ist der Winter ausgebrochen. Wenn ich morgens raus schaue, liegt über den inzwischen kahlen Weinbergen eine Frostschicht und durch die nur einfach verglasten Fenster zieht es teilweise ganz schön. Aber der Blick ist wie immer wunderschön. Wir Studis wohnen zur Zwischenmiete in einer ehemaligen Jugenherberge, die saniert werden soll aber gerade sonst leer stehen würde. Sie liegt oberhalb der Burg und man schaut auf die Mosel und die kleine Stadt unten im Tal. Sehr romantisch.

Vor ein paar Wochen war das ganze Tal noch bunt, die Weinberge leuchteten in allen Farben und überall sag man die Saisonarbeiter beim Weinpflücken. Es gab neuen Süßen und zwischendurch war es noch so warm, dass wir nachts draußen auf der Terasse schlafen konnten. Und der Kastanienbaum vor dem Haus lieferte uns die Grundlage für Experimente mit selbstgemachtem Waschmittel. (Kastanien enthalten viele Saponine)

Aber der Kastanienbaum zeigt auch die Jahreszeit an. Im Frühling konnten wir beobachten wie die kleinen Knospen immer dicker wurden und irgendwann aufplatzen und schrumpelige Blätter heraus fielen. Dass der Frühling kommt erkennt man auch daran, dass die im Winter ziemlich tote Stadt langsam wieder zum Leben erwacht. Die Ausflugschiffe werden für die ersten Touristen fit gemacht und die Geschäfte haben wieder ab und zu geöffnet.

Im Sommer ist dann alles voll mit Menschen. Aus allen Ländern kommen sie ins „Märchenland Mosel“ und manchmal fühlt man sich wie im Disneyland, wenn man durch die Fachwerkhausgassen geht und alle zwei Meter in irgendein Foto hinein läuft. Doch oben auf der Jugendherberge ist es herrlich idyllisch, abends wird draußen Guitarre gespielt und gesungen und tagsüber gibt’s Seminarlektüre auf den Liegestühlen im Garten.

Ich glaube ich habe den Wechsel der Jahreszeiten selten so intensiv erlebt wie hier, auch weil man jeden Tag bei Sonnenauf- und untergang beobachten kann, wie sie ein Stückchen weiter wandert.

 

4. Adventskalendertörchen

Seminareinblick

Als ich an die Cusanus Hochschule kam, war ich voller Elan nun alles mögliche über alternatives Wirtschaften zu erfahren. Ich wollte mehr über bedingungsloses Grundeinkommen lernen, Szenarien eines Wirtschaftssystems ohne Wachstumszwang erforschen und Alternativen zum BIP als Wohlstandsmesser austüfteln. Bisher haben wir in den Seminaren noch nicht so viel davon gemacht. Und während ich anfangs etwas enttäuscht war, habe ich glaube ich inzwischen verstanden, warum die Seminare zu Gesellschaftsgestaltung, also das Entwickeln von Alternativen, erst im zweiten Jahr des Masters kommt.
Zuerst ging es darum zu verstehen wo unser Denken über Wirtschaft eigentlich her kommt und welche Wirkung wissenschaftliche Theorien auf unsere Gesellschaft haben. Wer kam eigentlich auf die Idee, dass man menschliches Verhalten in Zahlen und Funktionen ausdrücken kann? Ist der Mensch wirklich natürlicherweise ein nutzenmaximierendes Wesen, das immer nur an seinen eigenen Vorteil denkt? In den letzten 2000 Jahren der Philosophiegeschichte gab es immer wieder sehr unterschiedliche Vorstellungen davon was „die Natur“ des Menschen ist. Warum sollte ausgerechnet die aktuelle die richtige sein? Von Kommiliton*innen, die im Bachelor schon Wirtschaft studiert haben, höre ich immer wieder, dass solche Fragen in ihrem Studium nie vorkamen. Dass gewisse Annahmen über den Menschen und seine Eigenschaften einfach gesetzt werden und nicht hinterfragt werden.
Auch wenn es anstrengend sein kann immer alles zu hinterfragen und jeder Annahme erstmal auf den Grund zu gehen: ich denke, dass wir das gerade in Bezug auf unsere Vorstellungen von Wirtschaft, Geld und Finanzen und den Auswirkungen die es auf unser tägliches Handeln hat, nicht oft genug tun können.

Trotzdem freue ich drauf, wenn es jetzt bald mal an die Alternativen geht!

 

5. Adventskalendertörchen

Wohnen auf der Jugendherberge

Zur Zeit sind wir 12 Menschen die fest in der ehemaligen Jugendherberge wohnen. Die anderen Studierenden (insgesamt sind wir ca. 60) kommen nur zu ihren jeweiligen Seminare nach Bernkastel-Kues. Das Studium ist in Blockseminaren organisiert, sodass es nicht zwingend notwendig ist vor Ort zu wohnen. Aber für mich persönlich ist es eigentlich sehr angenehm nicht zwei Lebensmittelpunkte zu haben und noch mehr im Land herum zu fahren als ich es eh schon tue.

In der Jugendherberge organisieren wir unser Essen und die Miete über ein solidarisches Finanzierungsmodell. Das heißt es gibt einen Richtwert wieviel jede*r pro Mahlzeit/pro Monat zahlen sollte damit die Summe zusammen kommt und dann zahlen soviel wie ihre finanzielle Lage es ermöglicht. Einige mehr als den Richtwert, andere weniger. Wichtig ist uns dabei, dass man selbst am besten einschätzen kann wieviel Geld man hat und wir uns nicht gegenseitig kontrollieren wollen. Wenn am Ende zu wenig zusammen kommt (was bisher selten passiert ist) müssen wir eben den Richtwert etwas anheben und jede*r für sich überlegen ob man noch ein bisschen mehr erübrigen kann. Da wir sehr viele sind, können wir uns aber auch sehr gutes regionales Bioessen leisten. Wir bestellen Trockenwaren beim Biogroßhandel, Gemüse, Obst und Milchprodukte beim Demeterhof aus der Region und haben in der Großküche der Jugendherberge auch viel Spaß beim Einmachen und Suppen kochen.

Für mich ist dieser gemeinschaftliche und solidarische Umgang etwas ganz Besonderes. Ich weiß genau, wenn es mal finanziell brennt kann ich einfach zwei drei Monate weniger in die Kasse tun und die Gemeinschaft fängt das auf. Und andersrum zahle ich auch gerne mal mehr wenn das gerade möglich ist.

 

6. Adventskalendertörchen

Der Verein Cusanus Studierendenschaft e.V.

Schon bevor die Hochschule staatlich anerkannt war, gründeten die ersten Studierenden einen Verein um gemeinschaftlich das Bildungsanliegen der Cusanus Hochschule auch in der Studierendenschaft zu pflegen und zu entwickeln. Da das Studium an einer privaten Hochschule Geld kostet, wir aber auf keinen Fall wollen, dass jemand aus finanziellen Gründen nicht hier studieren kann, haben wir (neben Stipendien die direkt von der Hochschule kommen) über den Verein auch ein solidarisches Stipendienmodell aufgebaut.
Wir sammeln Spenden, werben Fördermitglieder und machen Fundraisingaktivitäten. Am Anfang eines jeden Semesters gibt es in den Jahrgängen eine Finanzrunde, in der alle gemeinsam über ihre finanziellen Bedürfnisse sprechen. Am Ende sagt jede*r ob und wieviel Geld er*sie pro Monat bräuchte um ohne Sorge weiter studieren zu können. Dabei kann man einen Minimalbetrag (so viel bräuchte ich mindestens um überhaupt weiter studieren zu können) und einen Maximalbedarf (soviel wäre gut, damit ich mich aufs Studium konzentrieren kann und z.B. nicht so viel nebenher arbeiten muss) genannt werden. Die Bedarfe der Jahrgänge werden dann zusammen getragen und geschaut ob der Verein sie über die eingenommenen Spenden decken kann.
Bisher konnten wir so immer mindestens die Minimalbedarfe decken und vielen von uns das Studium hier ermöglichen.
Durch die Finanzrunden in den Jahrgängen entwickelt man ein ganz neues Gefühl für seine eigenen Bedürfnisse und weiß, dass man nicht alleine da steht wenn man finanzielle Sorgen hat.

 

7 . Adventskalendertörchen

Warum gründet man eigentlich eine neue Hochschule?

Tja so ganz genau kann ich das natürlich nicht beantworten, da ich noch nicht dabei war als vor ca. 3-4 Jahren die ersten konkreteren Gedanken und Taten zur Gründung der Cusanus Hochschule gedacht und vollbracht wurden. Trotzdem will ich versuchen ein bisschen etwas dazu zu sagen.
Die Besondere an der Cusanus Hochschule ist glaube ich, dass die Initiative zu ihrer Gründung von Professor*innen selbst ausgeht und nicht von einer Stiftung oder einem Konzern wie bei den meisten anderen privaten Hochschulen. Es gab also ein Anliegen der Lehrenden etwas anders zu machen als an existierenden Hochschulen.

Eines dieser Anliegen ist bestimmt den Entwicklungen an Hochschulen in Folge des Bologna-Prozess, etwas entgegen zu setzen. In deren Zusammenhang wurde z.B. das neue Bachelor-Master-System einegführt. Dadurch sollte vor allem eine Vergleichbarkeit von Abschlüssen innerhalb der EU und International, sowie eine bessere employability (Beschäftigungsfähigkeit) von Studierenden erreicht werden. Die Kritiker*innen sagen, dass durch Bologna vor allem eine Verschulung des Studiums stattfindet, ein starker Leistungsdruck aufgebaut wird und sich Hochschulen immer mehr am Markt orientieren, weil sie in der Finanzierung stärker auf Drittmittel aus der Wirtschaft angewiesen sind.
An der Cusanus Hochschule wird versucht, den Fokus stärker darauf zu legen, dass wir Studis uns selbst, unsere Fragen und Interessen weiter entwickeln und dabei das eigene Denken schulen. Uns in Beziehung zu den Fragen und Herausforderungen unserer Gesellschaft setzen und lernen damit umzugehen. Besonders in den Wirtschaftswissenschaften wird an den meisten Unis sehr einseitig gelehrt, mit Fokus auf mathematischen Modellen und objektiver Betrachtung. Dabei sind die Wirtschaftswissenschaften doch ursprünglich eine Geisteswissenschaft, die sich durchaus mit normativen Fragen auseinander setzen sollte.

Wer Lust hat noch mehr über die Kritik an der VWL und mögliche Alternativen zu lesen kann gerne mal in diesen Artikel rein schauen, in dem die Cusanus Hochschule auch als gutes Beispiel erwähnt wird
http://m.taz.de/Einseitige-Hochschulbildung/!5357889;m/

 

8. Adventskalendertörchen

Ganz schön ab vom Schuss…

… ist Bernkastel-Kues ja schon, wenn man mal ehrlich ist. Früher gab es mal eine ZUgstrecke, aber die ist schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb und nun muss man zum nächsten Bahnhof eine halbe Stunde mit dem Bus nach Wittlich fahren. Und der ist auch noch teuer. Wirklich gut zu erreichen ist die Gegend eigentlich nur mit dem Flugzeug, da der Flughafen Frankfurt Hahn direkt um die Ecke ist. Aber das geht natürlich aus ökologischen Gründen nichts.
Was tun?
Am besten trampen. Das funktioniert super und ist gleichzeitig noch eine wunderbare Methode um die Hochschule in der Region etwas bekannter zu machen. Es gibt schon die Idee eines „Mitfahrerbänkchens“, ähnlich einer Bushaltestelle, bei dem die Autos dann anhalten können um Tramper mitzunehmen. Muss man nur mal vorschlagen. Die Stadt ist immer sehr offen für neue Ideen.
Ansonsten habe ich meine Anti-Auto-Haltung (Freiburger Prägung), doch ein wenig aufweichen müssen und mich der Realität eines Lebens auf dem Lande stellen müssen. Da muss man sich dann eben entscheiden: Fährt man mit dem Auto zum Demeterhof oder geht man zu Fuß zu Edeka oder Aldi… Vielleicht ist eine car-sharing Lösung doch nicht so schlimm….
Aber meistens kann man dann doch alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen und ich werde den Kampf gegen die eigene Bequemlichkeit weiter führen!

 

9. Adventskalendertörchen

Schummerstündchen

Manchmal ist es sehr schön, wenn man Traditionen weiter führen kann. Das Schummerstündchen im Advent, nachmittags mit Plätzchen, Mandarinen, Tee und schönen Geschichten, fand ich schon früher immer sehr gemütlich. Nun haben wir es hier etabliert, als nachmittägliches Zusammentreffen, bei dem man ausnahmsweise weder über Seminarinhalte, noch über irgendwelche organisatorischen Dinge im Zusammenhang mit Hochschule oder Studierendenschaft reden darf. In einem Haus, in dem einem sonst ständig Menschen über den Weg laufen, mit denen man „nur nochmal kurz“ etwas zu diesem oder jenem Punkt besprechen wollte, ist das eine sehr wohltuende Abmachung.
Dafür lesen wir Geschichten, hören und machen Musik, oder genießen den Blick auf den Sonnenuntergang und die frostüberzogenen Hügel. Und dann gehen alle wieder ihrer Wege…
Bis morgen um 16 Uhr.

 

10. Adventskalendertörchen

Hochschulchor

Eine Besonderheit unserer Master-Studiengänge ist es, dass hier Menschen aus ganz verschiedenen Disziplinen und mit sehr unterschiedlichen Studien-Hintergründen zusammen kommen. So haben wir z.B. das Glück in einem Philosophie-Master einen „echten“ Chorleiter zu haben. Und von morgendlichem Singen zum Aufwärmen für das Seminar, war es dann nicht mehr weit bis zur Gründung eines eigenen Hochschulchors. Dieser erfreute sich denn auch von Anfang an großer Beliebtheit. Welcher Hochschulchor kann schon von sich sagen, dass in ihm 50% der Studierenden vertreten sind?

Unser erster öffentlicher Auftritt entsprang dann einem feucht-fröhlichen Abend einiger Studierender auf dem örtlichen Feuerwehrfest während des Probenwochenendes. Am nächsten morgen erfuhren wir, dass wir für den Nachmittag gebucht waren. Tja, da kann man nichts machen. Die Blaskapelle musste die Bühne räumen und dann kamen wir. So schlecht kann es jedenfalls nicht gewesen sein, immerhin kam einiges an Spenden für den Verein zusammen.

Das richtige Konzert war dann ein paar Tage später, in der ehemaligen Synagoge, die von ihren Besitzern extra für musikalische Zwecke ausgebaut worden war. Mit einem Reportoire von Liedern aus aller Welt kam der Chor gut an und konnte sich fortan vor Aufträgen für Auftritte auf den Hochschulveranstaltungen kaum mehr retten. Na gut, ich übertreibe vielleicht ein bisschen. Auf jeden Fall macht es großen Spaß und ich freue mich schon sehr auf das nächste Probenwochenende und bin gespannt was wir da wohl einstudieren werden. Es ist schön, dass hier so viele musikbegeisterte Menschen sind, mit denen gemeinsam immer wieder schöne Momente entstehen.

 

11. Adventskalendertörchen

Forschungsprojekte

Ein wichtiger Teil unseres Studiums sind unsere eigenen Forschungsprojekte. Neben den Blockseminaren haben wir die Möglichkeit uns eineinhalb Jahre intensiv mit einem Thema zu beschäftigen, dass wir selbst aussuchen. Einige meiner Kommiliton*innen sind schon mit ganz spezifischen Fragen hierher gekommen. Für viele war die Möglichkeit seine eigene persönliche Forschungsfrage in das Studium zu integrieren auch der Hauptgrund an dieser Hochschule zu studieren. Bei mir selbst und anderen hat sich das eigene Forschungsthema erst im Laufe des ersten Semesters entwickelt.

Am Anfang hat mich die Frage danach „was denn eigentlich so mein Thema ist, meine Fragen an denen ich arbeite…“ ein bisschen überfordert. Nicht, dass ich mich nicht mit verschiedensten Themen auseinander setzen würde. Aber „das“ Thema konnte ich nicht so direkt benennen. Vielleicht gibt es da auch einfach unterschiedliche Typen. Menschen die sich in eine ganz bestimmte Problematik oder gesellschaftliche Frage reinarbeiten und immer wieder zu diesem Thema Bezug nehmen. Und andere die immer wieder verschiedene Themen bearbeiten, dafür dann weniger intensiv.

Bei mir hat sich im Laufe des Jahres rausgestellt, dass ich doch immer wieder zu der Frage nach Entscheidungsfindung und gesellschaftlicher Teilhabe zurück komme. Wer darf wo mitbestimmen? Wie werden Entscheidungen getroffen? Was gibt es für Alternativen zu einfachen Abstimmungen mit Mehrheitsentscheid. In mehreren politischen Gruppen in denen ich aktiv bin, versuchen wir die wichtigen Entscheidungen gemeinsam zu treffen, sodass alle in der Gruppe die Entscheidung mittragen können. Nicht, dass alle sie gleich toll finden. Aber so, dass niemand der damit nicht leben kann, überstimmt wird.
In meinem Forschungsprojekt beschäftige ich mich damit wie solche Entscheidungsprozesse funktionieren oder auch nicht funktionieren. Was braucht es für eine gute Entscheidung? Und wenn etwas in einer kleinen Gruppen funktioniert, geht das dann auch mit mehr Menschen? Was ist mit der staatlichen Ebene?
Auch wenn die meisten Antworten nur neue Fragen aufwerfen – es tut gut sich immer wieder auf ein Thema zu konzentrieren und daran weiter zu arbeiten.

 

12. Adventskalendertörchen

Bernkasteler Weihnachtsmarkt

Einer der Höhepunkte des Jahres in der Stadt (nach dem Weinfest natürlich) ist der Bernkasteler Weihnachtsmarkt. Wie jeder Weihnachtsmarkt ist er etwas ganz Besonderes, es gibt Glühwein und ganz viele schöne Kleinigkeiten zu kaufen.

Eines der Fachwerkhäuser am Marktplatz beherbergt einen Adventskalender, dessen Fenster jeden Tag in Form eines kleinen Auftritts geöffnet werden. Heute waren die Studierenden der Cusanus Hochschule dran. Da wir uns ja sonst eher auf unserem Berg in der Jugendherberge „verkriechen“ oder den ganzen Tag in den Seminaren sitzen, sollte die Stadt nun auch mal etwas von uns mitbekommen. Immerhin waren auch einige Leute da, die andächtig den Weihnachtsliedern auf dem Sachsophon lauschten, sowie einer studentischen Weihnachtsgeschichte. Ein Student wird als Weihnachtsmann engagiert, bringt seine Freunde mit um das Buffet leer zu essen und den Kindern zu erklären, dass sie immer schön den Lehrern widersprechen sollen und nicht nur sprechen wenn sie gefragt werden.

Hoffentlich haben wir die Bernkasteler damit nicht abgeschreckt, aber immerhin ist es ja auch an der Cusanus Hochschule gern gesehen wenn die Studierenden eigene Fragen stellen – insofern passte es doch ganz gut.

 

13. Adventskalendertörchen

Studiengebühren

Als die großen Studentenproteste gegen Studiengebühren 2007 stattfanden, war ich noch Schülerin und auch bei einer großen Demo in Freiburg dabei. Allerdings mehr weil wir dadurch schulfrei hatten, als aus politischer Motivation. Erst als Studentin wurde mir klar was es bedeutet keine Studiengebühren zahlen zu müssen und wie wichtig diese Errungenschaft ist. In Deutschland wird die Bildung und damit auch die Universitäten vom Staat also durch Steuergelder finanziert – Bildung soll frei zugänglich sein, ohne finanzielle Hürden.

Die Cusanus Hochschule ist allerdings eine private Hochschule, die keine Finanzierung vom Staat erhält. Außerdem steht keine Stiftung oder Firma mit viel Geld hinter ihrer Gründung, sondern Professor*innen und Studierende selbst. Die Rechtsform der Hochschule ist die einer gemeinnützigen Stiftung, die von einer Treuhand verwaltet wird. Dadurch ist garantiert, dass es nicht darum geht Profite zu machen.

Die Studiengebühren von 300€ pro Monat decken zwar nur ca. ein Drittel der anfallenden Kosten, der Rest kommt vor allem durch Spenden (dazu ein ander mal mehr) und Stiftungsprofessuren zusammen. Trotzdem sind 300€ im Monat nicht wenig. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele von vornherein nicht weiter lesen wenn sie auf der website die Studiengebühren sehen. Und das fände ich nicht nur schade, sondern eigentlich nicht vertretbar, weil nur die weiter lesen, die sich keine Gedanken über Geld machen müssen.
Für mich ist es immer wenn ich mit Menschen spreche wichtig zu betonen, dass niemand aus finanziellen Gründen von einem Studium hier abgehalten werden soll. Denn in den meisten Fällen gibt es in den Bekannten- und Verwandtenkreisen Unterstützungsmöglichkeiten für ein solches Vorhaben wenn man das wirklich will. Die Hochschule bietet Stipendien für Härtefälle. Und am Ende versuchen wir in der Studierendenschaft immer gemeinsam eine Lösung zu finden, sodass niemand mit finanziellen Fragen allein stehen muss.

 

14. Adventskalendertörchen

Gestern habe ich mir vorgenommen nächsten Sommer die schönen Fahrradbedingungen an der Mosel unbedingt mehr zu nutzen. Obwohl ich nun schon 10 Monate hier wohne, ist mein Radius doch relativ klein geblieben. Hinter der Jugendherberge beginnt direkt der Wald (da geht es Richtung Hunsrück), in dem man wunderschön spazieren gehen kann, aber schon was die nächsten Dörfer und Städtchen an der Mosel an gehen, haben sich meine Erkundungen bisher in Grenzen gehalten. Man wird doch ein bisschen bequem wenn man es auf dem eigenen Gelände so schön hat und sowieso den ganzen Tag so viel zu tun ist.

Den Anlass zu diesen Überlegungen gab eine Autofahrt zu einem ca. eine Stunde Moselabwärts gelegenen Sägewerk, wo wir für verschiedene Bauprojekte Holz holten. Dabei kamen wir durch all die kleinen Moseldörfer, deren Namen man sich nicht merken kann und die im Dezembernebel denkbar verlassen aussehen. Aber im Sommer muss es hier überall wunderschön sein. An den Steilhängen ist jeder kleinste Quadratmeter voll mit Weinreben und überall führen eingleisige Metallschienen durch, über die im Herbst die Trauben abtransportiert werden.

Von dem Sägewerk soll an dieser Stelle auch noch kurz erzählt werden. Mitten im Nirgendwo liegt es, mit Maschinen die bestimmt schon seit 50 Jahren laufen und einem alten Mann, der für jeden Sonderwunsch unter irgendeiner Plane noch einen Stapel Holz findet. Manches liegt seit 10 Jahren dort, was die Qualität nur steigern kann. Denn Holz – so lasse ich mir sagen – muss lange langern und trocknen, damit es nicht reißt oder sich verzieht. Auf jeden Fall muss man aufpassen, dass man nicht in einen Kaufrausch verfällt bei so viel schönen Bretter die die Heimwerker-Phantasie anregen. Ein langes Lärchenbrett, innen rot mit hellen Rändern konnte ich dann doch nicht da lassen. Mal schauen was daraus wird – vielleicht im Sommer eine Theke für die Bar im Garten….

 

15. Adventskalendertörchen

1000 x 1000

Vorgestern habe ich über Studiengebühren geschrieben. Ein Großteil der Finanzierung der Hochschule kommt jedoch aus Spenden und Schenkungen von Menschen, Unternehmen und Stiftungen die das Bildungsanliegen hier unterstützen wollen. Wichtig ist dabei vor allem, dass die Spenden ungebunden sein müssen, dass also niemand mit viel Geld versuchen kann, seine*ihre privaten inhaltlichen Interessen durchzudrücken.

Die Cusanus Hochschule ist damit eine bürgerschaftlich finanzierte Hochschule. Das heißt aber auch, dass die Bürger – die Gesellschaft – davon überzeugt sein müssen, dass hier etwas unterstützenswertes passiert. Denn ohne ihre Unterstützer*innen, ob finanziell oder ideell, kann die Hochschule nicht überleben.
Ich glaube dass alle Menschen die hier sind und die diese Hochschule mitgegründet haben der Meinung sind, dass dadurch ein gesellschaftlicher Beitrag geleistet wird. Aber es reicht eben nicht, wenn die Menschen die drinnen sind das denken. Es muss auch tatsächlich passieren und von außen so wahrgenommen werden.
Oft wird der Wissenschaft vorgeworfen, dass sie in einem Elfenbeinturm agiert, der wenig mit der realen Welt zu tun hat. Wir versuchen hier, dem etwas entgegen zu setzen. Ich muss zugeben, dass das nicht immer einfach ist. Oft erwische ich mich und uns bei Gesprächen und Diskussionen, die mir doch sehr fern von den aktuellen Problemen vieler Menschen erscheinen. Aber gleichzeitig habe ich auch in allen Seminaren immer wieder das Gefühl, dass die Themen aktuell sind. Dass sie einen direkten Bezug zu dem haben, was gerade passiert. Und dass es sehr hilfreich für die Bewältigung von Problemen sein kann, sich in ganz grundlegenden Überlegungen bewusst zu machen woher das Problem eigentlich kommt. Und das ist glaube ich etwas, wo die Wissenschaft einen wichtigen Beitrag zur Bearbeitung der großen Fragen unserer Zeit, unserer Welt, leisten kann.

Eine Idee für die Finanzierung der Hochschule ist die 1000 x 1000 Kampagne. Wenn sich 1000 Menschen finden, die 1000€ im Jahr spenden, dann steht die Grundfinanzierung. Natürlich sind das nur sinnbildliche Beträge. Aber sie stehen für die Idee, dass auch so etwas großes wie eine Hochschule mit vielen kleineren Beträgen aus einem großen Netz von Unterstützer*innen getragen werden kann.

Genauso wichtig wie die finanzielle Unterstützung ist, dass die Hochschule bekannter wird. Dass junge Menschen, die nach Alternativen zum klassischen Wirtschafts- oder Philosophiestudium suchen, davon erfahren. Denn ohne neue Studierende gibt es auch keine Hochschule. Und zufällig kommt man in Bernkastel-Kues dann eben doch meistens nicht vorbei.

In diesem Sinne kann ich nur sagen: wenn ihr Menschen kennt, die die Idee einer solchen Hochschule unterstützen wollen – sagt es weiter!
Wenn ihr Menschen kennt, die auf der Suche nach alternativen Studiengängen sind – sagt es weiter!

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Konto der Cusanus Hochschule:
IBAN: DE87 5875 1230 0032 4734 80
BIC: MALADE51BKS

Für mehr Infos zu der 1000×1000 Kampagne
https://www.cusanus-hochschule.de/wp-content/media/pdf/cusanus-hochschule-flyer-1000mal1000.pdf

 

16. Adventskalendertörchen

Wohnen – Mieten? Kaufen?

Heute haben wir ein Haus besichtigt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele tolle leer stehende Häuser es hier gibt. Gerade in Bernkastel sind viele der schönen alten Fachwerkhäuser, in denen unten die Geschäfte sind, schon seit langem unbewohnt. Seit ich hier bin schaue ich immer wieder gerne in die Immobilienanzeigen, was gerade so zu vermieten und zu verkaufen steht. Denn die Jugendherberge werden wir nicht auf Dauer bewohnen können (sie soll saniert und irgendwann wieder zu einer Jugendherberge werden) und selbst so werden sich mit wachsenden Studierendenzahlen auch in der Stadt einige WGs gründen müssen.
Außerdem merke ich, dass es auch manchmal sehr anstrengend sein kann, in einem Haus zu leben in dem immer so viel Kommen und Gehen ist wie hier. Da wünscht man sich doch manchmal so eine gemütliche kleine 8-er WG, in der die Küche nur 15qm hat und nicht 50. Die meisten größeren Immobilien hier sind allerdings zu verkaufen. Dafür aber verhältnismäßig günstig. Deshalb haben wir schon überlegt, ob man nicht über den Studierendenverein einen Kredit aufnehmen könnte, der dann im Laufe der Jahre über die Miete abbezahlt wird. Wenn das Haus dem Verein gehört ist es kein Privateigentum mehr und kann immer als Wohnraum für Studierende zur Verfügung stehen, ohne dass Einzelne von uns sich für Jahre an die Region binden müssen.
Vielleicht könnte man sich auch an das Mietshäusersyndikat anschließen. Das ist ein Verein, der extra dafür gegründet wurde um Hauskaufprojekte zu ermöglichen und um so Häuser vom Immobilienmarkt zu nehmen und einer Gemeinschaft zur Nutzung zur Vefügung zu stellen.

Mal schauen. Vielleicht ist das gerade auch noch eine Nummer zu groß. Das Haus heute war jedenfalls sehr schön und wäre erstmal zu vermieten….

 

17. Adventskalendertörchen

Grenzen

Das Oberthema der Studia Humanitatis Seminare dieses Semester ist Begegnung und Gemeinschaft. Im ersten Teil davon beschäftigen wir uns mit Grenzen. Zu Anfang war mir nicht ganz ersichtlich in welchem konkreten Zusammenhang diese Themen stehen, doch im Laufe des Seminars wurde das immer klarer. Die Texte die wir als Einstieg ins Thema lasen, drehten sich viel um politische Grenzen. Um die aktuelle Rennaissaince von Grenzen in und um Europa und dass es am Ende immer um ein „drinnen“ oder „draußen“ geht. In unseren Diskussionen bewegten wir uns dann hin zu der Frage nach den Grenzen von Gemeinschaft.

Kann eine Gemeinschaft ohne Grenzen existieren? Wäre es dann überhaupt noch eine Gemeinschaft? Und wenn man sagt, eine Gemeinschaft braucht gewisse definierte Grenzen um zu existieren, wer definiert diese dann? Könnte man sich vielleicht eine Gruppe vorstellen, in der sowohl die die dazu gehören, als auch diejenigen die dazu gehören wollen, gemeinsam darüber entscheiden ob das passt oder nicht? Es scheint schwer vorstellbar, aber vielleicht wäre es einen Versuch wert. Für mich hatten diese Fragen plötzlich große Relevanz, als sich bei uns in der Studierendenschaft die Frage stellte, wie viele Menschen dauerhaft mit eigenem Zimmer auf der Jugendherberge wohnen dürfen. Denn das Haus ist groß, aber wenn zu viele Zimmer einzeln belegt sind, wird es irgendwann zu eng für die, die nur zu den Blockseminaren in Bernkastel-Kues sind. Wenn aber nur eine gewisse Anzahl von Menschen dorthin ziehen darf, wo wird dann entschieden wer? Und von wem? Wir stellten uns auch die Frage, ob die älteren Semester mehr Recht haben, dort zu wohnen als die neu dazu gekommenen. Eigentlich sollen ja in einer Gemeinschaft alle die gleichen Rechte haben.

Diese Fragen klingen vielleicht banal. Aber sind es nicht die alltäglichen Dinge, die uns am besten lehren, wie man mit bestimmten Fragen umgehen will und sollte? Und falls jemand nun eine Antwort auf die oben gestellten Fragen erwartet und muss ich leider enttäuschen. Ich habe keine. Ich bin selbst noch auf der Suche. Ich glaube es ist immer ein Abtasten, ein sich annähern an ein Ideal bei dem niemand übergangen wird und sich die Gemeinschaft gleichzeitig nicht ins Beliebige auflöst.
Für unsere Wohnfrage haben wir eine gute Lösung gefunden. Aber so ganz haben wir es trotzdem nicht geschafft alle an der Entscheidung zu beteiligen.

 

18./19. Adventskalendertörchen

Verfasste Studierendenschaft

In den ersten Monaten meines Studiums hier, bekamen wir von Präsidium der Hochschule den Auftrag eine verfasste Studierendenschaft zu gründen. In Rheinland-Pfalz ist eine Studierendenvertretung Pflicht für jede Hochschule. Die Studierenden können über diese ihre Rechte geltend machen, bekommen finanzielle Mittel und können Verhandlungen (z.B. über Semestertickets etc.) führen. Das ist nicht überall so. In Bayern und Baden-Württember wurden die Verfassten Studierendenschaften in den 70-er Jahren abgeschafft, weil sie den regierenden Parteien zu links waren. In Baden-Württemberg wurden sie 2012 wieder eingeführt, in Bayern gibt es immer noch keine.

Für uns stellte sich nun die Frage wie wir unsere verfasste Studierendenschaft aufbauen wollten. Wir hatten ja bereits den Studierendenverein über den bisher alle studentischen Belange geregelt wurden. Diesen wollten wir auch unbedingt erhalten, für die solidarische Finanzierung und auch um einen unabhängigen Verein zu haben, der nicht an die Hochschulstrukturen gebunden ist. Aber auch in der verfassten Studierendenschaft wollten wir versuchen die Strukturen möglichst hierarchiefrei zu halten und allen die Möglichkeit geben mitzubestimmen. Das sollte sich in der Satzung niederschlagen.

Nach dem Landeshochschulgesetz ist vorgesehen, dass es ein Studierendenparlament gibt, dass gewählt wird und dass die Hoheit über die Satzung der Studierendenschaft hat. Normalerweise setzt das Studierendenparlament auch den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) ein, der über einzelnen Referate die alltäglichen Belange der Studierenden vertritt und bearbeitet. Da wir nur so wenig Studierende sind, haben wir in unserer Satzung festgelegt, dass die Vollversammlung (VV) der Studierenden die Aufgaben des Studierendenparlaments übernimmt. Die VV ist damit das höchste Organ. Außerdem haben wir Referate zu verschiedenen Themen (Hochschulpolitik, Studentisches Leben in Bernkastel-Kues, Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit und Bildung und Kultur) gegründet, die jeweils Delegierte in den AStA schicken. Der AStA vernetzt und koordiniert die Referatsarbeit. Die Referate können selbstständig arbeiten, müssen aber der VV berichten und sind an ihre Entscheidungen gebunden.

Was erstmal etwas verwirrend klingen mag, ist der Versuch allen Studierenden möglichst viel Autonomie zu geben in ihrer Arbeit in den Referaten und gleichzeitig in der Vollversammlung mit allen Studierenden gemeinsam die richtungsweisenden Entscheidungen zu treffen.

Es hat großen Spaß gemacht, sich mit diesen strukturellen Fragen auseinander zu setzen. In der Praxis merkt man nun, dass diese Strukturen ihre Zeit brauchen um sich zu etablieren und dass nicht immer alles so läuft wie man sich das vorgestellt hat. Aber vieles funktioniert auch sehr gut, und die Vollversammlung kann ja im Zweifelsfall auch beschließen die Satzung wieder zu ändern.

Hier gehts zu unserer AStA-Seite.

 

20. Adventskalendertörchen

Reflexion

Reflexion – vielleicht könnte ich dieses Wort in allen seinen Spielarten zum Studiumswort Nummer 1 erheben. Kein Seminartag vergeht, ohne dass wir in irgendeiner Weise darauf stoßen wie wichtig es ist die eigenen Einstellungen und Überzeugungen, die Geschichtsschreibung, die Nachrichten in der Zeitung usw. zu hinterfragen und zu reflektieren. Manchmal kann das auch ziemlich verrückt und frustriert machen. Besonders wenn ich versuche mich politisch und ethisch sehr korrekt zu verhalten und durch die Reflexion merke wie unvollständig das gelingt.

In der Studierendenschaft haben wir uns selbst einmal im Jahr einen Tag der internen Kulturreflexion verordnet. Das heißt wir wollen gemeinsam darüber sprechen wie wir zusammen arbeiten, leben, denken und uns organisieren. Dabei soll Raum sein für die Themen für die man sich Zeit nehmen muss, weil sie Grundsätzliches betreffen und die sonst im Alltagstrubel hinten runter fallen. Im Januar haben wir nun sogar zwei Tage dafür eingeplant. Ein Thema wird „Kommunikation und Entscheidungsfindung“ sein, ein anderes „Wie wollen wir gemeinsam auf der Jugendherberge leben?“ Es geht darum, dass wir immer wieder schauen wo wir gerade stehen mit den Dingen die wir tun und ob unsere Praktiken (noch) dem entsprechen was alle gemeinsam als wichtig empfinden. Die Reflexion verhindert, dass man sich selbst nicht mehr hinterfragt und sorgt dafür, dass man immer schaut ob man sich noch auf dem Weg befindet den man einmal eingeschlagen hat.

Auch die Hochschule hat sich in ihrer Grundordnung dazu verpflichtet einmal im Jahr ein Hochschulgespräch durchzuführen. Bei diesem sollen Studierende und Präsidium zusammen kommen, sich gegenseitig berichten und über die Entwicklungen der Hochschule reflektieren und diskutieren. In einem System, dass von so vielen Regeln und Vorgaben geprägt ist wie das Wissenschaftssystem, ist ein solcher Ort besonders wichtig wenn man etwas verändern will. Er bietet die Möglichkeit gemeinsam darauf zu schauen welche Ziele und Ideale man erreicht hat und an welchen man weiter arbeiten muss.

 

21. Adventskalendertörchen

In den letzten Tagen ist es immer leerer geworden. Nach den trubeligen letzten Wochen war es ganz angenehm mal in kleiner Runde zusammen zu sein. Die Vorräte aus der Kühlkammer werden nach und nach aufgebraucht, das Haus geputzt und die letzten Weihnachtsvorbereitungen getroffen. Um die Sonne zu sehen muss man einen kleinen Spaziergang um den Hausberg herum machen oder zur richtigen Zeit vormittags im Arbeitszimmer sitzen, wenn sie kurz über den Hügel schaut. Aber heute ist Wintersonnenwende und ich freue mich schon wieder darauf die Wanderung der Sonne in die andere Richtung zu beobachten.

 

22. Adventskalendertörchen

Menschen

Eigentlich hätte ich schon lange mal über die Menschen schreiben müssen mit denen ich hier zusammen studiere. Denn sie sind das was den Ort so besonders macht, was das Studium so besonders macht. Aber irgendwie will es mir nicht gelingen und ich wüsste auch gar nicht wo ich anfangen soll. Vielleicht ist eine Mail auch nicht der richtige Ort um Menschen zu beschreiben. Am besten sollte man sie wohl selbst kennen lernen.

In meinem Jahrgang sind wir zu neunt.* Und in einer so kleinen Gruppe lernt man sich in Seminaren schon sehr schnell kennen. Man weiß oft was die anderen denken, welche Themen sie beschäftigen, welche sie eher uninteressant finden und kann dadurch immer wieder aufeinander Bezug nehmen. Nur wenige von uns haben einen klassischen VWL oder BWL Hintergrund. Die anderen haben Sprachen, Theater, Kulturwissenschaft u.ä. im Bachelor gemacht. So ist es auch in vielen anderen Jahrgängen und das ist immer wieder sehr bereichernd.

Bevor unsere Seminare losgehen, versuchen wir immer einen gemeinsamen Abend mit dem Jahrgang zu verbringen. Da können wir uns gegenseitig auf den Stand bringen was so passiert ist in den vergangenen Wochen, wo man gerade im Studium steht und mit welchen Erwartungen man in das Seminar rein geht. Ich habe immer richtig gemerkt, dass etwas fehlt wenn dieses gemeinsame zusammen kommen erst am zweiten oder dritten Tage geschafft haben. Dann waren irgendwie noch nicht alle so richtig da.

Ich bin froh und dankbar diese Menschen um mich zu haben und freue mich auf die gemeinsame Studienzeit mit ihnen.

*Eigentlich sollten ca. 15 – 20 Studierende in einem Jahrgang sein. Weil die Hochschule bisher noch nicht so bekannt ist, sind die Jahrgänge bisher noch sehr klein, das wird sich aber hoffentlich bald ändern.

 

23./24. Adventskalendertörchen

Schöne Weihnachten und ein gutes Neues Jahr

Da der morgige Tag nicht mehr so stark den Mails gewidmet sein soll und wird, vermutlich sowohl bei mir als auch bei anderen, ist das heutige Türchen das letzte in dieser Reihe.
Ich hoffe es hat Freude gemacht meine kleinen Texte zu lesen und einen Einblick in das Leben und Studieren an der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues gegeben.
Eine Erfahrung die wir hier häufig gemacht haben ist, dass man es eigentlich erst so richtig kennen lernt, wenn man mal hier war. In diesem Sinne möchte ich alle herzlich einladen uns hier mal zu besuchen und interessierte Menschen zu ermutigen hier vorbei zu kommen.

Ich wünsche allen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Übergang ins neue Jahr.

Anne K.